Unfall: Die Dickmacher

Unfallschutz Versicherungen von Robert Krüger Kassissa

Der Konkurrenzdruck unter Unfallversicherern ist groß. Also sind sie gezwungen, Leistungshöhe oder auch –dauer nach oben zu korrigieren oder den Leistungsbereich zu erweitern. Doch nicht alle Leistungen machen für jeden Versicherungsnehmer Sinn.

Foto: © Kim Schneider/Fotolia

Zu aller Erst sind natürlich die Lebensumstände des Kunden entscheidend. Wer kinderlos ist, für den ist beispielsweise eine Leistung wie Rooming-in, also die Übernahme der Kosten, wenn Eltern beim stationären Aufenthalt der Kinder im gleichen Zimmer oder in einem Extrazimmer übernachten, nicht sinnvoll.

Gleiches gilt für Leistungen wie Schulausfallgeld oder Assistanceleistungen für Kinder. Diese sind bei Versicherten ohne Kinder natürlich überflüssig. „In manchen Fällen ist der Umfang einer versicherten Leistung allerdings in der Tat diskutabel“, erläutert Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg. „Bei den Bergungskosten beispielsweise sind in der Regel die Bergungskosten als solche am wichtigsten. Die sonstigen Ausprägungen wie z.B. Rücktransport zum Wohnsitz, Verlegung ins Krankenhaus, Unterbringungs- und Verpflegungskosten für Dritte werden von den Versicherungsnehmern eher selten in Anspruch genommen bzw. sind von einer Auslandskrankenversicherung abgedeckt.“ Allerdings ist natürlich auch hier wie immer in der Versicherungsberatung individuell zu entscheiden. Wer beispielsweise keine Auslandskrankenversicherung hat oder wem die Unterbringung für Dritte besonders wichtig ist, für den lohnen sich solche Ausprägungen.

Auch das Krankenhaustagegeld kann ein „Dickmacher“ sein. So geht die zu versichernde Leistungsdauer bei manchen Versicherern bis zu fünf Jahre. 2014 betrug die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Krankenhaus aber nur 7,4 Tage (Quelle: Statista).

Genaue Prüfung bei Assistanceleistungen

„Assistanceleistungen, die in ihrer Gesamtheit zu Recht ihren Platz in den Unfallbedingungen gefunden haben, sollten nicht nur Beratungsleistungen bieten, sondern auch die Kosten für entsprechende Leistungen übernehmen“, sagt Michael Franke. Bei den mitversicherten Soforthilfen sollte geprüft werden, ob Versicherungsnehmer mit dem in der Regel mitversicherten Invaliditätsvorschuss ähnlich gute oder ggf. schnellere Ergebnisse erzielen können.

Zudem haben Nach Ansicht der Analysten von Franke und Bornberg Leistungsmerkmale wie Umschulungsmaßnahmen, Gipsgeld oder doppelte Todesfallleistung für Vollwaisen keine entscheidende Relevanz in einer Unfallversicherung. Doch auch hier lohnt wieder der Blick auf den Einzelfall. Beispiel: Gipsgeld. Gipsgeld erhalten Versicherungsnehmer, wenn eine Unfallverletzung durch einen Gipsverband therapiert wird. Typische Verletzungen dafür sind Knochenbrüche, Kapselrisse oder Beschädigungen an Sehnen. Solche Verletzungen werden heutzutage meist ambulant und nicht stationär behandelt.

Versicherungsnehmer sind in solchen Fällen dann oft arbeitsunfähig, aber erhalten in Ermangelung eines Krankenhausaufenthaltes kein Krankenhaustagegeld, falls mitversichert, und haben auch keinen Anspruch auf Genesungsgeld. Für Versicherungsnehmer, die einer hohen Gefahr von oben genannten Verletzungen ausgesetzt sind, kann Gipsgeld sehr sinnvoll sein. Das Gipsgeld kann Bestandteil der Standardunfallversicherungspolicen sein oder muss gesondert vereinbart werden.


  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare