Der Niedrigzins und die bAV

bAV von Stefan Terliesner

Versprochen ist versprochen, oder?

Grundsätzlich liegt es im Wesen der Kapitalmärkte begründet, dass diese Schwankungen ausgesetzt sind, die eine unterschiedliche Intensität und Frequenz aufweisen können. Welche Auswirkungen und vor allem auch auf wen sie zu erwarten sind, hängt davon ab, wie die Kapitaldeckung erfolgt und welches Leistungsversprechen erteilt wurde. Trotz aller Absicherungen können negative Entwicklungen an den Kapitalmärkten (temporäre) Kostensteigerungen für die Leistung gewährenden Arbeitgeber und/oder geringere Leistungszuwächse bei den Berechtigten zur Folge haben. Letzteres ist allen kapitalgedeckten Systemen, auch denen außerhalb der betrieblichen Altersversorgung, gemein.

Soweit die Ausführungen der aba zu den Auswirkungen des Dauerzinstiefs auf die bAV. Die sich möglicherweise ergebenden „geringeren Leistungszuwächse bei den Berechtigten“ spiegeln sich insbesondere in der Verzinsung der bAV-Verträge wider. Diese beruhen zum Großteil auf klassischen Rentenversicherungen mit Garantiezins. Bei älteren Verträgen beträgt die Mindestverzinsung über die gesamte Laufzeit bis zu 4 Prozent, bei neuen Verträgen 1,25 Prozent. Insgesamt können Betriebsrentner aber mehr Rendite erwarten. Denn zum Garantiezins kommen noch Überschüsse hinzu, die der Versicherer erwirtschaftet. Einen Teil dieser Überschüsse werden dem Versicherungsnehmer jedes Jahr garantiert. Zusammen mit dem Garantiezins ist das die gesamte Garantieverzinsung. In einem Niedrigzinsumfeld wird das Erwirtschaften von Zinserträgen in der Neuanlage der Beiträge zwar schwieriger, aber jeder Versicherer hat noch hochverzinste Wertpapiere im Bestand, so dass immer noch eine relativ hohe Gesamtverzinsung erwirtschaftet wird. Bei der Allianz etwa beträgt diese Gesamtverzinsung in 2014  4,0 Prozent; die gesamte Garantieverzinsung 3,4 Prozent.

Anbieter kreieren neue Produkte

Gleichwohl haben einige Versicherer auf das Abschmelzen der Überschüsse reagiert. Zum Beispiel Ergo mit der Ergo Rente Garantie oder Axa mit dem Produkt Relax Rente. Bereits im Juli 2013 brachte die Allianz das Produkt Perspektive auf den Markt. Damit haben Sparer in der bAV nun die Wahl zwischen einer klassischen Rentenversicherung und einem neuen Produkt. Jeder Arbeitnehmer hat sogar einen Rechtsanspruch auf eine bAV. Bietet der Chef keine bAV an, kommt als Durchführungsweg immer noch eine Direktversicherung in Frage.

Beim Vorsorgekonzept Perspektive – um beim Beispiel der Allianz zu bleiben – sind die eingezahlten Beiträge und die Mindestrenten zum Ende der Ansparphase garantiert. Durch zusätzliche Überschüsse kann sich das Gesamtkapital zur Berechnung der späteren Rente erhöhen. Laut Versicherer liegt die laufende Überschussbeteiligung bei 3,5 Prozent und somit 0,1 Prozentpunkte höher als bei der Klassikvariante. Die Gesamtverzinsung von Perspektive liegt bei 4,3 Prozent, also 0,3 Prozentpunkte höher als bei der klassischen Rentenversicherung der Allianz. 

Fazit: Die Minizinsen haben vielfach negative Auswirkungen auf die zu erwartende Rendite in der bAV. Die Anbieter reagieren hierauf mit neuen Produkten. 

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