Der Niedrigzins und die bAV

bAV von Stefan Terliesner

Die Minizinsen gehen auch nicht spurlos an den zu erwarteten Renditen in der betrieblichen Altersversorgung vorbei. Die Anbieter halten mit neuen Produkten dagegen.

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Die betriebliche Altersversorgung (bAV) basiert zum Großteil auf Rentenversicherungsverträgen. Dabei werden die Beiträge insbesondere in Zinspapiere am Kapitalmarkt angelegt. Das Problem: Die Zinsen sind seit Jahren extrem niedrig. Wie sich die Minizinsen auf ein konkretes Betriebsrentensystem auswirken, hängt primär von der Art der Kapitaldeckung und von der vom Arbeitgeber erteilten Betriebsrentenzusage ab. Dazu erklärt in gekürzter Form die Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba):

a) Bei der bAV ist zu unterscheiden, ob die Kapitaldeckung mittels externer Finanzmittel oder/und Betriebsvermögens erfolgt. Ein Arbeitgeber entscheidet sich häufig für eine externe Kapitaldeckung.

b) Bei der bAV gibt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer und dessen Hinterbliebenen ein Versorgungsversprechen (Leistungszusage, beitragsorientierte Leistungszusage oder Beitragszusage mit Mindestleistung). Eine reine Beitragszusage wie in anderen Ländern üblich, gibt es in Deutschland aus sozialpolitischen Gründen nicht. Denn das Anlagerisiko liegt hier vollumfänglich bei den Leistungsberechtigten.

Art der Zusage ist entscheidend

Inwieweit sich nun eine Niedrigzinsphase auf die Betriebsrentenhöhe auswirkt, hängt von der Art der Zusage beziehungsweise der Risikoteilung zwischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und externer Einrichtung ab. Nur in den Fällen, in denen die Entwicklung der extern investierten Finanzmittel Einfluss auf die Höhe der gewährten oder in Aussicht gestellten Leistungen hat, ergeben sich mittel- bis längerfristig auch negative Auswirkungen auf die Betriebsrentenhöhe. Dies ist im Wesentlichen bei der Beitragszusage mit Mindestleistung und zu großen Teilen bei vielen beitragsorientierten Leistungszusagen, insbesondere bei versicherungsförmig durchgeführten, der Fall.

Bei den übrigen Ausprägungen beitragsorientierter Leistungszusagen und bei reinen Leistungszusagen verteuert das Niedrigzinsniveau die Finanzierung für Arbeitgeber und gegebenenfalls den externen Finanzierungsträger. Diese Konstellation trifft regelmäßig auf unmittelbare Versorgungszusagen ohne externe Kapitaldeckung zu. Die Leistungen gegenüber den Berechtigten werden in diesen Konstellationen dadurch aber nicht gefährdet.

Ausgeklügeltes Sicherheitssystem

Die Begünstigten und Rentner sind in der bAV aufgrund ihrer besonderen Ausgestaltung und wegen ihrer spezifischen Sicherungseinrichtungen gegen Verluste sehr gut gesichert. Die Sicherungsmechanismen in der bAV unterscheiden sich dabei nicht nur von jenen der dritten Säule, sondern auch innerhalb der bAV. Ausgangspunkt jeder bAV ist die entsprechende Zusage des Arbeitgebers, für deren Erfüllung dieser ausnahmslos haftet. Gemein ist daher allen Durchführungswegen in der bAV diese Haftung beziehungsweise Subsidiärhaftung des Arbeitgebers.

Werden Betriebsrentenzusagen unmittelbar vom Arbeitgeber (Direktzusage) oder unter Zuhilfenahme einer Unterstützungskasse oder eines Pensionsfonds durchgeführt, sind sie zusätzlich gegen eine Insolvenz des Arbeitgebers über den Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) geschützt. Der Regulierung und Versicherungsaufsicht unterstehen als Versorgungsträger Pensionskassen und Pensionsfonds (EbAV) sowie Direktversicherungen beziehungsweise Lebensversicherungsunternehmen. Dank dieser arbeits- und aufsichtsrechtlichen Sicherungsmechanismen kann die bAV in Deutschland auch im internationalen Vergleich als robust und besonders krisenfest angesehen werden.

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