Wer wird eigentlich pflegebedürftig?

Pflegegeld von Sebastian Wilhelm

Welche Zielgruppen sollte man als Makler ins Auge fassen, wenn man Pflegevorsorgelücken schließen will? Der jüngste Pflegebericht zeigt, dass überwiegend Frauen pflegebedürftig sind. Doch zum Pflegefall kann jeder werden, unabhängig vom Geschlecht – und vom Alter.

Fotoquelle: fotolia.com / Urheber: Jenny Sturm

72 Prozent der stationär Pflegebedürftigen sind weiblich, bei den zu Hause versorgten beträgt die Quote 61 Prozent. Widerspricht das nicht dem Fakt, dass Frauen tendenziell gesundheitsbewusster leben? Keineswegs! Gerade durch ihren gesünderen Lebenswandel – mit weniger Alkohol, Tabak und fettigem Fleisch, aber auch mit weniger gefährlichen Berufen – werden Frauen viel älter als Männer. Und das Risiko einer Pflegebedürftigkeit steigt nun einmal mit dem Alter. Hinzu kommt, dass mehr Männer zu Hause von ihren Frauen gepflegt werden (können) als umgekehrt.

Das bedeutet natürlich alles andere als eine Entwarnung für die Herren der Schöpfung. Auch wenn zwei von drei Frauen im Laufe ihres Lebens pflegebedürftig werden: Bei den Männern ist es rund jeder zweite – kein ganz kleines Risiko also. Wenn eine Fifty-fifty-Chance auf Eintritt des Versicherungsfalls nicht den Abschluss einer Police nahelegt, was dann? Zumal im Alter zwischen 60 und 70 Jahren anteilig mehr Männer als Frauen pflegebedürftig sind; erst ab 75 Jahren dreht sich das Verhältnis um. 

Über 380.000 Pflegebedürftige bei den unter 60jährigen

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist also hinsichtlich der Vorsorge-Notwendigkeit zu vernachlässigen. Anders sieht es dagegen bei den Altersgruppen aus. Kaum überraschenderweise weist die Bevölkerungsgruppe 90plus mit über zwei Dritteln den höchsten Anteil an Pflegebedürftigen auf. Die 80- bis 85-Jährigen haben dagegen ein statistisches Risiko von 21 Prozent.

Dass die Zahlen für jüngere Altersgruppen wesentlich geringer ausfallen, sollte nicht den Blick für das Risiko verstellen. So gibt es in Deutschland laut jüngstem Pflegebericht immerhin über 380.000 Pflegebedürftige in den Altersgruppen bis 60 Jahren. Dies ist eine „Schadensfallwahrscheinlichkeit“, die man nicht ignorieren sollte. Dazu ein Vergleich: Angenommen, die Kfz-Haftpflichtversicherung wäre nicht vorgeschrieben, sondern freigestellt – wenn man wüsste, dass man im Schnitt bei jeder 200. Fahrt einen Schaden verursacht, würde man lange über den Abschluss einer solchen Police nachdenken? Wohl kaum.

Ausbaufähige Vorsorgebereitschaft

Im Bereich Pflege wird das Risiko dagegen gern ausgeblendet. Wie auf diesem Terrain erfahrene Makler wissen, wächst die Offenheit gegenüber Vorsorgelösungen erst in einem Alter, in dem die Pflegebedürftigkeit schon akut droht. So berichtet der Pflegevorsorge-Experte Holger Rasch im procontra-Interview, dass rund drei Viertel der Anfragen aus der Altergruppe 60plus stammen.

Jenseits der 60 aber kann es unter Umständen zu spät sein, um noch eine ordentliche Absicherung zu bekommen – weil der Pflegefall unversehens eingetreten oder die Gesundheit bereits angeschlagen ist. Das gilt es den Kunden bestenfalls schon in ihren mittleren Jahren zu verdeutlichen. 

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