Im Pflegefall sollte nicht nur das Billigste infrage kommen

Pflegegeld von Sebastian Wilhelm

Wer nicht für den Pflegefall vorgesorgt hat, kann bei dessen Eintreten nicht wählerisch sein. Die Zustände und die Servicequalität in deutschen Einrichtungen und ambulanten Diensten sind jedoch besorgniserregend. Fazit: Im Ernstfall kann Wahlfreiheit Gold wert sein.

Fotoquelle: fotolia.com / Urheber: Herby (Herbert) Me

Es ist ein offenes Geheimnis und mittlerweile auch vom Gesetzgeber anerkannt, dass der sogenannte Pflege-TÜV kaum Aussagekraft für sich reklamieren kann. Das Beurteilungssystem, das Pflegebedürftigen für die Auswahl einer stationären Einrichtung wichtige Anhaltspunkte an die Hand geben sollte, stellt viel zu stark auf Nebensächlichkeiten wie ordentliche Dokumentation, als auf die Qualität der Kerndienstleistungen ab. Folglich war es für die Heime ein Leichtes, reihenweise Bestnoten abzuräumen. Das inzwischen verschärfte Prüfverfahren dürfte aber erst 2019 hinreichend umfangreiche Daten liefern, um damit arbeiten zu können.

Einen wahrhaftigen Einblick in die Pflegerealität in Deutschland liefert unterdessen das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). Die Stiftung ließ professionelle Pflegeprofis und andere Erwachsene, „die bereits mit dem Thema Pflege in Kontakt gekommen sind“, befragen. In den Antworten spiegeln sich Zustände, die mit den Pflege-TÜV-Bewertungen kaum in Einklang zu bringen sind. Und während diese nur stationäre Einrichtungen abdecken, floss in die Umfrage auch der Standpunkt der ambulanten Pflegedienstleister ein – die ebenfalls erheblichen Verbesserungsbedarf sehen.

Wille des Pflegebedürftigen findet nicht immer Beachtung

Rund jeder dritte Pflege-Profi hat bereits erlebt, dass die Rechte von Pflegebedürftigen missachtet wurden; in der Allgemeinbevölkerung sind es fast ebenso viele, wie die folgende Grafik zeigt:

 

Bei einer differenzierten Betrachtung der Situationen, in denen die Rechte Pflegebedürftiger missachtet werden, zeigt sich, wie vielschichtig die Problematik ist. Das Spektrum reicht von körperlich grobem Anfassen über Verletzungen der Privatsphäre bis hin zur Verweigerung notwendiger Hilfe. An erster Stelle steht die Missachtung des Willens des Pflegebedürftigen:

 

Die hier benannten Situationen möchte jeder sich und seinen Angehörigen gerne ersparen. Das wird allerdings schwieriger, wenn jeder Euro zweimal umgedreht werden muss. Wer ohnehin nicht weiß, wie er die Pflegekosten bezahlen soll, hat kaum die Möglichkeit, qualitativ bessere – und damit zumeist auch teurere – Dienstleister zu wählen. Dieses Privileg genießt man nur mit ausreichend Vermögen. Und mit einer guten, rechtzeitig abgeschlossenen privaten Pflegezusatzversicherung.

 

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