„Amazon darf man nicht unterschätzen“

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Amazon plant ein Versicherungsvergleichsportal in Großbritannien, berichtet Guidewire. Erste Gespräche würden bereits stattfinden. Könnte der Internetriese auch in Deutschland punkten? Was Deutsche von Versicherern in Zeiten der Digitalisierung erwarten, zeigt eine aktuelle Studie.

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Wie weit gehen die Pläne des Internetriesen? Bild: Sundry Photography / Shutterstock.com

Amazon wird in Großbritannien ein Vergleichsportal für Versicherungsservices launchen. Das berichtet der Softwarehersteller Guidewire unter Berufung auf Pläne des amerikanischen Internetriesen. Verbraucher sollen sich mit Hilfe des Portals im „Tarif-Dschungel“ der etablierten Versicherer zurechtfinden; eigene Produkte sollen (vorerst) nicht angeboten werden.

Was plant Amazon?

Experten gehen allerdings davon aus, dass es für Amazon ein leichtes wäre, mit dem Vergleichsportal eine Marktanalyse durchzuführen, um später selbst passgenaue Lösungen anbieten zu können. Zudem verfügt Amazon bereits jetzt über riesige Datenmengen, die Aufschluss über das Nutzerverhalten geben. Die bestehende Infrastruktur ließe sich leicht nutzen, um eigene Versicherungsprodukte zu bewerben und zu vertreiben.
Denkbar wäre auch, dass der Internetgigant die eigene Reputation nutzt, um Versicherungsprodukte auf den Markt zu bringen, die Schadenabwicklung aber spezialisierten Risikoträgern überlässt.

Amazon ist nicht zu unterschätzen

Für Panik bei den etablierten Versicherern sieht René Schoenauer von Guidewire Software dennoch keinen Anlass. Ob Amazon tatsächlich Interesse an Versicherungsprodukten unter dem eigenen Markennamen hat, sei im Moment überhaupt nicht sicher. Zudem käme es bei Versicherungen nicht darauf an, dass man sie innerhalb von Sekunden abschließen könne. Wichtiger seien Schadenregulierung und Serviceleistungen. Um überhaupt profitabel arbeiten zu können, bräuchte ein Versicherer auch eine umfassende Underwriting-Expertise, so Schoenauer. Allerdings, so schob Schoenauer hinterher, dürfe man Amazon niemals unterschätzen.

Bereits seit einiger Zeit arbeitet Amazon daran, die scheinbar fehlende Expertise im Versicherungsbereich „einzukaufen“. Dafür spricht nicht nur die Mitarbeitersuche, die vor knapp einem Jahr die hiesige Versicherungsbranche in helle Aufregung versetzte. Sondern auch das Engagement des Versandhändlers in Indien. Dort investiert Amazon rund 16 Millionen US-Dollar in den Online-Versicherer Acko.

Bereits als diese Investition Anfang des Jahres bekannt wurde, spekulierte man, ob es sich um einen Testlauf für den Einstieg in europäische Märkte handeln könnte. Schließlich prägen „Amazon & Co. heutzutage die Erwartungshaltung der Kunden“, weiß auch Dr. Holger Rommel, COO der Adcubum AG.

Kooperation ist (noch) das Mittel der Wahl

Das für Britannien angekündigte Geschäftsmodell des Online-Händlers setzt (noch) auf Kooperation mit etablierten Anbietern. Ein Modell, das auch in Deutschland anzuraten wäre. Denn wie die Adcubum-Studie zeigt, ist die Bereitschaft von Kunden bei branchenfremden Unternehmen einen Versicherungsvertrag abzuschließen, noch nicht besonders ausgeprägt. Strom- und Telefonanbieter (18 bzw. 16 Prozent) sind in der Gunst der Kunden vor Internet-Konzernen (14 Prozent) und Autohändlern (13 Prozent).

Diese Online-Angebote brauchen Versicherer

Änderung der Adresse
...und anderer wichtiger Stammdaten (z.B. Meldung eines zusätzlichen Fahrers beim Kfz). Ein solcher Service ist Pflicht: 88 Prozent der Befragten erwarten das von ihrer Versicherung. Bild: shutterstock.com / fizkes
 
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