Das wird der digitale Versicherer

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

Dunkelverarbeitung, Chat-bots und RoboAdvice – ist das der digitale Versicherer 2018? Oder kaufen Deutsche bald bei Amazon Versicherungen? Diesen Fragen ging eine Veranstaltung in Hamburg nach.

Hamburg, FinTechWeek, Digitalisierung

"Der digitale Versicherer - kommt!" versuchte in Hamburg die "Draufsicht" auf die Branche und Digitalisierung. Bild: Kathrine Uldbæk Nielsen/Fintech Week Hamburg

„Der digitale Versicherer – kommt!“ so lautete das Thema einer Veranstaltung im Rahmen der zweiten FinTech-Week am 08. November in Hamburg. Mit Vorträgen und Diskussionsrunde gingen die Veranstalter, Hamburg School of Business Administration und Alsterspree-Verlag, der Frage nach, wie sich der digitale Versicherer aufstellt.

Versucht man aus dem derzeitigen Debattenstand abzuleiten, wie der digitale Versicherer aussieht, könnte man festhalten: Die Antragsstrecke ist kurz und für mobile Endgeräte optimiert. Durch Prozessoptimierung werden Kosten und Personal gespart. Aber, wie Prof. Dr. Elert in seinem Eröffnungsvortrag einwarf: worin besteht dann eigentlich der Unterschied zum Direktversicherer? Auch sie digitalisieren ihre Abschluss-Strecken (wenn nicht schon längst geschehen), auch sie nutzen verschiedene Kanäle und arbeiten z.B. mit Maklern zusammen.

Schnellboote Voraus!

Elert vertritt die Auffassung, dass Schadenregulierung in Echtzeit, Schadenprävention und Assistance-Leistungen viel eher die Zukunft der Versicherer sind. Ganz ähnlich sieht es z.B. Ergo-Chef Markus Rieß, der im Frühjahr den Weg der Versicherer vom Risikoträger zum Risikomanager umrissen hat. Neugründungen aus dem Konzern heraus kommen dabei verschiedene Aufgaben zu. Rieß beschreibt sie als Schnellboote, die den großen Tanker (den Mutterkonzern) begleiten und Voraus fahren. Sie sind durch flache Hierarchien geprägt und eher in der Lage, Neues auszuprobieren und so wichtige Erfahrungswerte in den Gesamtkonzern einzubringen.

Wie sich das aus Sicht eines solchen „Schnellboots“ anfühlt, beschrieb Christoph Samwer von Friday. Um z.B. Erfahrungen über das Kundenverhalten bei Onlineabschluss zu erhalten, haben die Berliner Testkunden zu sich ins Büro eingeladen, die gefilmt wurden, während sie den Antragsprozess online vollzogen. Und wie schafft das Versicherungs-Start-Up der Baloise das passende „digitale Mindset“ bei den eigenen Mitarbeitern? Ein Weg von Friday: Jeder Mitarbeiter erhält Zugang zu der Software Datawarehouse. Damit können eigene Unternehmensdaten visualisiert werden. Eine Maßnahme, die sich besonders bei internen Diskussionen bewährt habe, so Samwer.

„Kooperationen sind Sachzwang“

Und das „Schnellboot“ kann leichter Kooperationen eingehen. So vermittelt Friday auch Produkte von Wettbewerber Barmenia. In solchen und anderen Kooperation sieht Stefan Herbst von Haftpflichthelden einen Sachzwang: Die Rahmenbedingungen würden sich zu schnell ändern, so Herbst. „Wir haben es mit einem beweglichen Ziel zu tun“, versuchte er klarzumachen, dass keine Zeit für klassischen Verdrängungswettbewerb sei.

Er ist überzeugt davon, dass die Folgen der Digitalisierung – insbesondere der zunehmenden Vernetzung der Maschinen untereinander – für die Versicherungsbranche noch nicht absehbar sind. „Machen die Maschinen etwas mit uns oder machen wir etwas mit den Maschinen? Ich bin für Letzteres“, so sein Plädoyer.

Aus Sicht von Dr. Hans-Georg Jenssen (VDVM) sind die entscheidenden Fragen: Wer erhebt welche Daten, wie werden sie genutzt und welche Folgen ergeben sich für den Preis der Policen. Höhlt also die Individualisierung der Policen den Solidargedanken und damit den Kern des Versicherungswesens aus? Eine Frage, die nicht abschließend beantwortet werden kann.

Der digitale Versicherer – kommt! In Bildern

"Der digitale Versicherer kommt"
... diesen Auftritt wollte sich das Publikum in Hamburg nicht entgehen lassen. Die FinTech-Week 2017 lockte auch jene an, die andernorts vermisst werden... Bild: Kathrine Uldbæk Nielsen/Fintech Week Hamburg
 
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