Riester-Rente: Der Patient kränkelt weiter

Berater Top News von Martin Thaler

Zum wiederholten Male sank die Zahl der Riester-Verträge - vor allem Versicherungen und Banksparpläne befinden sich im Sinkflug. Das Thema dürfte somit auch bald von der Politik wieder aufgegriffen werden.

Der "Patient" Riester befindet sich derweil noch nicht auf einem Weg der Besserung.

Der "Patient" Riester befindet sich derweil noch nicht auf einem Weg der Besserung. Foto: aitoff - Pixabay.de

Alle drei Monate veröffentlicht das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) eine Statistik zur privaten Altersvorsorge. Dieser ist zu entnehmen, wie viele Menschen in Deutschland einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben, wie viele sich für einen Fondssparplan entschieden haben, wie viele auf Wohn-Riester setzen und wie viele Versicherungen bislang abgeschlossen wurden.  

Die Statistik zeigt allerdings auch, dass Riester weiterhin kriselt. Zum wiederholten Male fiel der Nettoneuzugang (also abzüglich aller Vertragsabgänge) negativ aus. War die Zahl der Riester-Verträge im ersten Quartal dieses Jahres noch um 28.000 Verträge zurückgegangen, betrug der Schwund in den Kalendermonaten vier bis sechs „lediglich“ 4.000 Verträge, so dass der Vertragsbestand zum Ende des 2. Quartals insgesamt 16,51 Millionen Verträge umfasste. Hinzu kommt, dass nach Schätzungen des BMAS gut ein Fünftel der bestehenden Verträge ruhend gestellt ist, hier also keinerlei Einzahlungen erfolgen.  

Wie bereits zuvor, gehört die Versicherungssparte zu den größten Verlierern – seit ihrem Höchststand im Jahr 2014 mit 11,03 Millionen Verträgen gingen die Zahlen hier seitdem deutlich zurück und betrugen zum Ende des 2. Quartals 2017 nur noch 10,821 Millionen Verträge. Gegenüber zum ersten Quartal (10,863 Millionen) bedeutete dies ein Minus von rund 42.000 Verträgen.  

Abwärts geht es auch für die Banksparverträge – deren Bestand sank gegenüber dem ersten Quartal um gut 8.000 Stück auf 754.000 Verträge – auch hier ist seit 2014 (814.000) ein kontinuierliches Minus feststellbar.  

Dass die negative Entwicklung beim Gesamt-Vertragsbestand nicht noch wesentlich deutlicher ausgefallen ist, liegt in erster Linie am Wohn-Riester. Bei der Eigenheimrente war im zweiten Quartal ein Plus von 35.000 Verträgen zu verzeichnen gewesen, nachdem der Bestand bereits in den ersten drei Monaten des Jahres deutlich angestiegen war (+ 14.000). Mit insgesamt 1,74 Millionen Verträgen erreichte der Wohn-Riester ein neues Allzeithoch.  

Ein solches haben auch die Riester-Fondssparpläne erreicht – deren Vertragszahl steigerte sich im Hinblick zum ersten Quartal um 11.000 Stück und beträgt nun 3,195 Millionen Exemplare.  

Alles in allem dürfte die Gesamtsituation die Politik wohl kaum zufrieden stellen. Bereits im vergangenen Jahr war es, nachdem der Nettoneuzugang insgesamt zum ersten Mal negativ ausgefallen war, zu einer erhitzten Debatte gekommen, die in der Aussage des bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gipfelte: „Die Riester-Rente ist gescheitert.“  

Wie soll Riester reformiert werden?

Tenor der meisten Parteien ist aber mittlerweile, die Riester-Rente zu reformieren. Denn an einer mangelnden Sparbereitschaft der Deutschen scheint der hinkende Riester-Absatz nicht zu liegen. So ist laut einer anlässlich des nahenden Weltspartages erstellten Studie des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) die Sparquote der Deutschen - also das Verhältnis von Ersparnis und verfügbarem Einkommen - weiterhin hoch. 9,7 betrug diese im ersten Quartal dieses Jahres - damit lag sie höher als 2014 (9,5), also Riesterversicherungen und Banksparpläne Rekordzahlen aufwiesen. Ein mögliches Indiz, dass das Produkt Riester vielen Deutschen wenig attraktiv erscheint.

Wie die Riester-Rente attraktiver gemacht werden kann, dürfte auch Thema bei den Koalitionsgesprächen zwischen Union, Grünen und FDP werden. Die Liberalen treten beispielsweise dafür ein, dass auch Investitionen in Infrastruktur, Aktien und andere Unternehmensbeteiligungen gefördert werden sollten. Zudem sollen auch Selbstständige die Möglichkeit zur Riester-Förderung erhalten.

Die SPD plädierte in Person von Andrea Nahles zuletzt für die Einführung eines einfachen und kostengünstigen Standardprodukts - gerade weil viele potenzielle Sparer die Riester-Produkte als zu teuer bzw. zu kompliziert empfänden. So würden es die meisten Sparer nicht schaffen, die staatlichen Zulagen in voller Höhe für sich zu verbuchen. Eine Forderung, die auch seitens der Verbraucherzentralen zu hören ist.

Fraglich ist allerdings, ob diese Idee auch bei den Parteien, die über eine sogenannte Jamaika-Koalition verhandeln, Gehör finden wird - schließlich hat die SPD bereits unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses verlauten lassen, in die Opposition gehen zu wollen. Zumindest die Grünen hatten sich in der Vergangenheit schon einmal für ein solches "Basisprodukt" ausgesprochen.

Macht das Betriebsrentenstärkungsgesetz Riester wieder flott?

Tobias Bierl (Versicherungsmakler)
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. So sehe ich die ersten zaghaften Bestrebungen, Riester etwas attraktiver zu machen. Die Anhebung der Grundzulage sollte nur ein erster Schritt sein. Über eine jährliche dynamische Anpassung der Höchstfördergrenze sollte ebenfalls diskutiert werden, denn die 2.100 Euro sind nicht der Inflation angepasst worden. Ich kann nur hoffen, dass sich die Bundesregierung die vernünftigen Vorschläge der Initiative „ProRiester“ zu Herzen nimmt und noch an einigen Stellschrauben dreht. Insbesondere an der Senkung/Abschaffung der Beitragsgarantie und der Thematik rund um die Anrechnung auf die Grundsicherung. Bild: Finanzberatung Bierl
 
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