Geldanlage: „Mama, was ist eigentlich der Zinseszinseffekt?“

Investmentfonds von Michael Fiedler

Über Geld spricht man nicht – daran scheinen sich viele Deutsche zu halten. Entsprechend hoch sind Fehleinschätzungen bei Rendite und den Auswirkungen vom Zinseszinseffekt, zeigt eine aktuelle Umfrage.

Kinder_Zinseszins_Sparverhalten Finanzwissen

"Mama, was ist eigentlich Zinseszins?" Die meisten Eltern würden die Antwort nicht kennen. Bild: Fotolia / Alexander Wurditsch

Am 30. Oktober ist Weltspartag – ein Ziel davon ist es, Kinder mit Geld vertraut zu machen. Doch für die Mehrheit der Eltern in Deutschland (56 Prozent) ist das kein Anlass, um mit den eigenen Kindern über den Umgang mit Geld zu sprechen. „Geld darf kein Tabuthema in der Familie sein. Eltern sollten Vorbilder sein und ihre Kinder möglichst früh an den Umgang mit Geld und das Sparen heranführen. Das ist heute wichtiger denn je. Die prall gefüllte Spardose einmal im Jahr zur Bank zu tragen oder sich auf das Sparbuch zu verlassen, funktioniert heute nicht mehr“, sagt Andreas Telschow, Anlageexperte bei Fidelity. Die Fondsgesellschaft hat die Umfrage bei Kantar Emnid in Auftrag gegeben.

Aufklärung nötig – doch woher soll sie kommen?

Dass es mehr Finanzbildung bei der nachkommenden Generation braucht, darüber bestehen kaum Zweifel. Allerdings: Wer soll diese Aufklärungsarbeit leisten? Denn die Erwachsenen schätzen ihr Finanzwissen ebenfalls als stark überholungsbedürftig ein (siehe Grafik; Klicken zum Vergrößern).

Kein Wunder also, dass laut Umfrage auch die Renditeformen vieler Anlageformen falsch eingeschätzt werden. Selbst im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld halten 13 Prozent der Befragten eine Rendite von fünf Prozent pro Jahr bei Tages- und Festgeld für möglich. Dem Sparbuch trauen fast genauso viele (12 Prozent) solche Renditen zu. Und Aktien oder Aktienfonds? 49 Prozent meinen, diese Anlageformen könnten fünf Prozent Rendite pro Jahr erbringen.

Großer Unbekannter: Der Zinseszinseffekt

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Viele Bundesbürger kennen den Zinseszinseffekt einer Geldanlage überhaupt nicht, der sich vor allem über einen langen Zeitraum positiv bemerkbar macht. So gehen rund 60 Prozent bei einer Fondsanlage langfristig von einer viel zu niedrigen Rendite aus. Jeder Fünfte kann überhaupt nicht abschätzen, wie sich der Zinseszinseffekt über Jahre hinweg auswirkt.  „Beim langfristigen Vermögensaufbau führt heute kein Weg mehr an Aktien oder Fonds vorbei“, so Andreas Telschow. „Diese Anlageformen sind aber keinesfalls nur etwas für Reiche, Berührungsängste sind fehl am Platz. Schon mit monatlichen Beiträgen von 25 Euro kommt auf lange Sicht eine stattliche Summe zusammen“, sagt Telschow. Nach Angaben des Bundesverband Investment (BVI) hat beispielsweise jemand, der über 15 Jahre monatlich 25 Euro in einen deutschen Aktienfonds einzahlt, gut 8.400 Euro auf der hohen Kante – nach 35 Jahren sind es knapp 50.000 Euro.

Über die Studie:
Im Auftrag von Fidelity International hat das Marktforschungsinstitut Kantar Emnid in einer bevölkerungsrepräsentativen telefonischen Omnibus-Umfrage 1.000 Bundesbürger zu ihrem Sparverhalten befragt. Die Befragung fand zwischen dem 5. und 12. September 2017 statt. Bei einigen Fragen waren Mehrfachnennungen möglich.

Sparplan: Was aus 50 Euro geworden wäre

Wie haben verschiedene Anlageformen in den 18 Jahren (1998-2016) performt? Grundlage: Monatliche Einzahlung von 50 Euro.

Sparbuch: 1,2 Prozent p.a.
Das Vermögen eines 50-Euro-Sparplans in ein Sparbuch vermehrte sich in den vergangenen 18 Jahren um 21,3 Prozent. Folglich um 1,18 Prozent p.a. Nicht viel und defacto eine Geldvernichtung, wenn man die Inflation mit berücksichtigen würde. Daher nicht empfehlenswert.
 
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