Riester-Bestand schmilzt weiter ab

Berater Top News von Martin Thaler

Erst zum zweiten Mal überhaupt ging der Riester-Vertragsbestand zurück - dafür aber recht deutlich. Welche Produkte besonders unter mangelndem Kundeninteresse leiden.

Der Bestand an Riester-Verträgen ging im ersten Quartal 2017 deutlich zurück.

Der Bestand an Riester-Verträgen ging im ersten Quartal 2017 deutlich zurück. Foto: stevepb - Pixabay.de

Man könnte meinen, dass die im Rahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes (BRSG) beschlossene Zulagenerhöhung bei der Riester-Rente zum absolut richtigen Zeitpunkt kommt: Denn der Riester-Rente geht immer stärker die Luft aus, wie neue Zahlen aus dem Bundesarbeitsministerium (BMAS) verdeutlichen.

So sank die Zahl der Riester-Verträge im ersten Quartal dieses Jahres von 16,542 Millionen auf 16,514 Millionen Stück – ein Rückgang um 28.000 Verträge. Damit gab es in der Riester-Geschichte zum zweiten Mal einen Rückgang beim Bestand. Auch im vergangenen Jahr war das erste Quartal schwach ausgefallen – damals ging die Zahl der Riester-Verträge allerdings nur um 1.000 Verträge zurück, was dennoch für einen medialen Aufschrei reichte.  

Besonders deutlich vom sinkenden Anlegerinteresse war wieder einmal die Sparte Versicherungen betroffen. Hier betrug der Rückgang gegenüber 2016 insgesamt 40.000 Verträge. Seit 2014 – damals erreichte der Versicherungs-Vertragsbestand mit 11,030 Millionen Verträgen seinen Höchststand – summiert sich der Schwund gar auf 167.000 Verträge.  

Auch bei den Banksparverträgen setzte sich die Negativentwicklung aus dem Vorjahr (insgesamt minus vier Prozent) auch in diesem Jahr weiter fort: So sank der Bestand gegenüber 2016 um 1,55 Prozent oder weitere 12.000 Verträge.  

Wohn-Riester wächst, doch wie lange noch?

Eine positive Entwicklung ist hingegen in den Sparten Fondssparpläne (+9.000) und Wohn-Riester zu verzeichnen (+14.000), wobei sich aber insbesondere beim Wohn-Riester auch erste Ermüdungserscheinungen einzustellen scheinen. So stieg die Zahl der Verträge zwischen 2014 und 2015 insgesamt um 187.000 Stück, zwischen 2015 und 2016 um 127.000. Ein Plus von 14.000 fällt hier schon recht enttäuschend aus.  

Zu berücksichtigen ist bei den Zahlen, dass gut ein Fünftel der Verträge ruhend gestellt ist, hierfür also keine Beiträge gezahlt werden.  

Abzuwarten bleibt, ob die beschlossene Erhöhung der Zulagen einen spürbaren Effekt auf die Zahl der Neuabschlüsse und Reaktivierung von ruhend gestellten Verträgen haben wird. Hierzu gehen die Meinungen zwischen den Experten deutlich auseinander. 

Macht die Zulagenerhöhung Riester wieder flott?

Tobias Bierl (Versicherungsmakler)
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. So sehe ich die ersten zaghaften Bestrebungen, Riester etwas attraktiver zu machen. Die Anhebung der Grundzulage sollte nur ein erster Schritt sein. Über eine jährliche dynamische Anpassung der Höchstfördergrenze sollte ebenfalls diskutiert werden, denn die 2.100 Euro sind nicht der Inflation angepasst worden. Ich kann nur hoffen, dass sich die Bundesregierung die vernünftigen Vorschläge der Initiative „ProRiester“ zu Herzen nimmt und noch an einigen Stellschrauben dreht. Insbesondere an der Senkung/Abschaffung der Beitragsgarantie und der Thematik rund um die Anrechnung auf die Grundsicherung. Bild: Finanzberatung Bierl
 
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