Big-Five-Analyse: R+V überholt Generali

LV-Check Versicherungen Top News von Matthias Hundt

Der Bilanzcheck der fünf größten Lebensversicherer bringt nicht nur die Neusortierung am Markt hervor, sondern offenbart die Probleme der ERGO und Generali.

Die Zahlen der Big-Five - Allianz, AachenMünchener, ERGO, R+V sowie die Generali - sind richtungsweisend für die Branche.

Bereits im Geschäftsjahr 2015 tauschten zwei der fünf größten Lebensversicherer die Plätze. Die AachenMünchener profitierte vom Policenschwund der ERGO und ergatterte sich Rang 2 im Markt. In der damaligen Analyse war der nächste Positionstausch bereits absehbar. Und so kam es auch.

Die Generali büßte knapp 188.000 Policen (-4,2 %) ein und verlor damit ihren vierten Platz im Ranking an die R+V Lebensversicherung AG. Deren Bestand schmolz zwar auch, jedoch nur um 32.676 Policen (-0,8%). Damit liegt die R+V nun mit knapp 9.000 Verträgen vor der Generali und kann sich als neue Nummer 4 im deutschen LV-Markt bezeichnen.

Marktweit geht der Bestand an Kapitalversicherungen weiter zurück. Diese Tendenz spiegelten auch das Quintett am deutschen LV-Markt wider. Der große Aderlass im Policenbestand der Generali fand jedoch in der Risikosparte statt (-31.000 Verträge) in der seit 2015 praktisch kein Neugeschäft mehr stattfindet. Die Risikosparte bildet die Tochter CosmosDirekt weitestgehend ab. Der Generali gelang lediglich in einer von fünf Sparten (Kollektiv +1,9%) ein Zuwachs an Policen.

Generali mit LVRG-Effekt

In der Kostenbetrachtung fällt die deutlich geringere Abschlusskostenquote der Generali von 3,2 % gegenüber dem Vorjahr (4,7%) auf. Diese resultierte weniger aus einer steigenden Beitragssumme des Neuzugangs (Bezugsgröße der Aufwendungen) – diese sank nämlich um 27 % auf 5,05 Mrd. €. Vielmehr halbierten sich die absoluten Aufwendungen auf rund 162 Millionen Euro (VJ: 327 Mio. €). Im Geschäftsbericht verklausuliert die Gesellschaft den Effekt aus der Anpassung der Abschlussvergütungen nach LVRG: „Es gab einen positiven Effekt durch die Anpassungen bei den Berechnungen im Rahmen der Altersvorsorge. Hier wurden die geänderten gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt.“ 

Neuzugang: Rückgang bei ERGO und Generali setzt sich fort

Seit 2012 geht der Neuzugang nach APE bei der ERGO stetig zurück. Von den in 2011 rund 321 Millionen Euro sind 2016 noch 184 Millionen übriggeblieben. Dabei reduzierten sich der laufende Beitrag ebenso wie das Geschäft gegen Einmalbeitrag. Bei der Generali ging der Neuzugang um über 17 % zurück, was sowohl in den geringeren laufenden Beiträgen (-11%) und noch stärker im Einmalbeitragsgeschäft (-35%) begründet liegt. 

Zinszusatzreserve belastet Rohüberschuss

Während die Allianz (+29%), R+V (1,7%) und die AachenMünchener (22%) ihren Rohüberschuss in 2016 steigern konnten, wiesen ERGO (-10%) und Generali (-54%) einen Rückgang aus. Die deutlich geringere Zuführung zur RfB (Teil des Rohüberschusses) der Generali war ausschlaggebend für das schwache Ergebnis. Nach 446 Mio. € in 2015 betrug diese Position nur noch 185 Mio. € in 2016. Gebraucht wurde diese Summe auch zur weiteren Stärkung der Zinszusatzreserve. In 2016 wurden ihr weitere 528 Mio. € zugeführt und beträgt nun 1,95 Mrd. €.

 

procontra LV-Check
Seit 2009 analysiert procontra die Bilanzen der deutschen Lebensversicherer. Alle Zahlen und Entwicklungen zum Neugeschäft, zur Ertrags- und Kostensituation, der Finanzstärke oder Bestandsentwicklung finden Interessierte in der jährlichen Studie „LV-Check“.
Der LV-Check 2017 steht Ende August zur Verfügung und wird erstmalig die Kapitalanlagenstruktur der Anbieter aufzeigen. Wer den Veröffentlichungstermin nicht verpassen will, kann sich bereits heute kostenfrei und unverbindlich vormerken lassen.

Die Big-Five-Analyse in sechs Bildern

 
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