„Wir befürworten eine ZZR-Anpassung“

LV-Check Versicherungen Top News von Matthias Hundt

Die Alte Leipziger gab den Startschuss zur LV-Bilanzsaison 2017. Warum bei der Bewertung Sondereffekte aus 2015 zu berücksichtigen sind und wie die Anpassung der Zinszusatzreserve aussehen könnte.

ALTE LEIPZIGER Lebensversicherung a.G.

Foto: ALTE LEIPZIGER Lebensversicherung a.G._Firmensitz Oberursel

Der Neuzugang nach laufendem Beitrag lag mit rund 215 Millionen Euro unter dem Vorjahr (230 Mio. €). Dabei ist jedoch der bAV-Sondereffekt in 2015 zu berücksichtigen. „Maßgeblich für das starke Wachstum waren mehrere umfangreiche bAV-Abschlüsse, die zu einem eingelösten Neugeschäft von mehr als 74 Millionen Euro führten“, begründete damals die Alte Leipziger das Vorjahresergebnis gegenüber procontra. Das Ergebnis in 2016 liegt deutlich über dem langjährigen Mittel.

Der Neuzugang entfiel vorrangig auf die drei Sparten Renten (33 %), Kollektiv (28,5%) und Fondsgebundene Versicherungen mit 35 Prozent. „Bei Altersvorsorgeprodukten setzen wir für die Zukunft weiterhin auf unsere sehr gut im Markt eingeführte fondsgebundene Rentenversicherung ALfonds und vor allem auf unsere neue flexible Rente AL_RENTEFlex,“ formulierte die Alte Leipziger die zukünftige Ausrichtung.

Das Einmalbeitragsgeschäft legte, entgegen der allgemeinen Marktbewegung, weiter zu. Mit 705 Millionen Euro stieg es um 3,6 Prozent und stand für einen Anteil am gesamten Neuzugang nach APE von 24,7 Prozent (Vorjahr: 22,8%) Siehe Bilderstrecke unten.

Erträge & Kosten

Auch bei der Entwicklung der Kostenquoten ist der Sondereffekt aus 2015 zu berücksichtigen. So stieg die Abschlusskostenquote zwar von 4,2 auf 4,6 Prozent. Doch profitierte die Quote aus 2015 vom hohen bAV-Anteil. Denn im bAV-Kollektivgeschäft fallen die Provisionen deutlich geringer aus oder entfallen sogar. Die Abschlusskostenquote von 4,6 Prozent schlägt weiter das 5-Jahresmittel des Gesamtmarktes (ca. 5 Prozent).

Die Erträge aus Kapitalanlagen wurden erneut weitestgehend durch die Realisierung von Bewertungsreserven gestützt. Mit 530 Millionen Euro stellen sie 46 Prozent der Kapitalerträge, was – wie schon in den Vorjahren – deutlich über dem Marktschnitt (2015: 24 %) liegt. Der Rohüberschuss ging um 30 Prozent auf 338 Millionen Euro zurück. Hier fiel die „Zuführung zur RfB“ deutlich geringer aus, da vor allem für die Finanzierung der Zinszusatzreserve (398 Mio. € in 2016) weitere Mittel benötigt wurden.


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Finanzstärke

Die erstmals ausgewiesene Eigenmittelquote nach Solvency II lag Ende 2016 bei 289 Prozent. Laut Unternehmensangaben konnten „die Eigenmittelvorgaben von Solvency II ohne Stützung durch Übergangsmaßnahmen und ohne Volatility Adjustment eingehalten werden. der Sie ist nicht mehr mit den Eigenmittel- bzw. Solvabilitätsquoten unter Solvency I aus den Vorjahren vergleichbar. Für eine Bewertung der Quote der Alten Leipziger fehlen momentan noch die Vergleichswerte. Experten wiesen aber schon im Vorfeld der Solvency-II-Einführung darauf hin, dass die Vergleichbarkeit aufgrund unterschiedlicher Berechnungsmodelle kaum noch gegeben sein wird.

Die Belastung durch die Zinszusatzreserve ist nicht an der absoluten Höhe (1,13 Mrd. € Ende 2016). Hier gibt beispielsweise die Relation zu den gesamten Deckungsrückstellungen Orientierung. Diese erhöhte sich von 3,9 auf 5,7 Prozent. Das Marktmittel lag 2015 bei 4,1 Prozent. Auf die allgemeine Debatte um die Anpassung der Berechnungsformel zur ZZR hieß es: „Auch wir befürworten eine Anpassung der ZZR-Berechnungsmethode zur Abmilderung des derzeit sehr starken ZZR-Aufbaus. Dies könnte beispielsweise durch eine Begrenzung der jährlichen Veränderung des Referenzzinses erfolgen.“

Genügend Bewertungsreserven um das Kapitalanlageergebnis zu stützen und die Zinszusatzreserve weiter zu finanzieren sind vorhanden. 3,4 Milliarden Euro standen Ende 2016 in den Büchern, die Reservequote (%-Spanne zwischen Bewertungsreserven und Kapitalanlagen) bei 15,6 Prozent etwa auf dem Niveau des Gesamtmarktes in 2015. Auch die freie RfB-Quote konnte weiter gesteigert werden (56 %).

bAV-Effekt hebt Abschlusskostenquote
Das "provisionsarme" bAV-Geschäft fiel dieses Jahr nicht so sehr ins Gewicht wie 2015. Die Quote stieg daraufhin leicht an.
 
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