Weniger Stress durch mehr Zeit vor dem Bildschirm?

Versicherungen Digital von Florian Burghardt, Michael Fiedler

Digitalisierung führt häufig zu Stress, so eine aktuelle Studie. In der Folge drohen Fehltage bis hin zu ernsten psychischen Erkrankungen. Können dann ausgerechnet digitale Therapieangebote Abhilfe schaffen? In diesem Bereich tut sich jedenfalls einiges.

Stress am Bildschirm

Digitalisierung macht Stress. Hilft Digitalisierung dagegen? Bild: pixabay/andreas160578

Nervenkrankheiten sind die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit, zeigen jüngste Auswertungen von über eine Million Daten. Und Depressionen und Angststörungen sorgen in Deutschland für immer mehr Fehltage bei den Beschäftigten. 

Es liegt also im Interesse der Unternehmen, Gesundheitsförderung für die Mitarbeiter zu betreiben. Doch jedes elfte Unternehmen verzichtet auf jegliche Angebote zur Gesundheitsförderung der Mitarbeiter. Drei von zehn Betrieben böten nur vereinzelte Angebote, vor allem in den Bereichen Ergonomie und Entspannung. Das geht aus der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung, der Techniker Krankenkasse und der Haufe Gruppe hervor.

„Wegen der Digitalisierung der Arbeitswelt müsse künftig mehr auf Stressprävention geachtet werden“, folgern die Studien-Macher. Digitalisierung führe nach Ansicht von Experten häufig zu Stress. In der neuen Arbeitswelt sei die Gefahr groß, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer weiter aufweichen.
Kann da ausgerechnet ein Stresspräventionskurs Abhilfe schaffen, der auf die Mittel der Digitalisierung setzt?

App vermittelt Stressmanagement-Methoden

Das Berliner Unternehmen Selfapy hat einen solchen Kurs entwickelt. Gedacht ist er für jede Unternehmensgröße. Mitarbeiter können den 9-Wochen-Kurs selbstständig bearbeiten oder zusätzlich durch einen persönlichen Psychologen in wöchentlichen Gesprächen unterstützt werden. Der Online-Kurs informiert über die Entstehung von Stress, erklärt die Unterschiede zwischen gesundem und krankmachendem Stress, vermittelt Stressmanagement-Methoden und soll helfen, das Selbstwertgefühl zu stärken. Inzwischen wird das Angebot von 2000 Nutzern verwendet.

Nora Blum, Mitgründerin und CEO von Selfapy, berichtet gegenüber procontra, dass immer wieder Menschen mit zu viel Stress, Burnout oder einer Depression darüber klagen, für ihren Job 24 Stunden erreichbar sein zu müssen, bzw. glauben, es sein zu müssen.
Ein weiteres Phänomen, welches in den vergangenen Jahren zugenommen habe, sei die sogenannte Fear Of Missing Out (FOMO). „Aus Angst, etwas vermeintlich Wichtiges im Leben der Freunde zu verpassen, verbringen viele Menschen seht viel Zeit auf Sozialen Netzwerk-Seiten wie Facebook, Instagram & Co. Die Ironie dabei ist, dass man oftmals kaum noch am wahren Leben Teil nimmt, wenn man ständig auf sein Smartphone schaut.“
Solche Phänomene können durchaus zur Entwicklung psychischer Krankheiten beitragen, so Blum. „Viel häufiger kommt es aber vor, dass unsere Kursteilnehmer z.B. an einer postnatalen Depression leiden, an einer Altersdepression oder Stress am Arbeitsplatz zum Burnout geführt haben.“

Hier könnten sich Ansatzpunkte für Versicherer ergeben. Kooperationen sind auf dem Weg zu Risikomanager gefragt; gerade im Gesundheitsbereich. So setzt die Allianz Kranken beispielsweise auf ein Portal, bei dem sich Patienten Zweitmeinungen einholen können (Better.doc) oder auch auf den Anbieter Tinnitracks, eine App, die zur Behandlung von Tinnitus eingesetzt wird.

Und die Krankenversicherer Barmenia, Gothaer, Hallesche und Signal Iduna haben sich im vergangenen Jahr zu der auf LM+ getauften Kooperation im Leistungsmanagement zusammengetan. Gestartet ist das Pilotprojekt mit dem Bereich der psychischen Erkrankungen.

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Zielorientierung
Die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens hängt von der Gesundheit und Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeiter ab: „Ein wirksames betriebliches Gesundheitsmanagement sollte keinem Selbstzweck dienen, sondern Antworten darauf finden, wie es gelingen kann, die betrieblichen Ziele bei bester Gesundheit zu erreichen“, betont Kerstin Reisinger. Bild: pixabay
 
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