Brexit - warum eigentlich?

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Vieles spricht dafür, dass die Briten mit ihrem Referendum weniger über einen Austritt aus der EU abgestimmt haben – sondern ihre Kritik an den prekären Verhältnissen in ihrem Land zum Ausdruck bringen wollten. Das IW Köln hat die Missstände in fünf Grafiken zusammengefasst.

Theresa May

Die neue britische Premierministerin Theresa May: "Brexit means Brexit" Bild: Screenshot Youtube /UK Parlament

Wenn es stimmt, dass Wahlergebnisse immer etwas mit der wirtschaftlichen Situation eines Landes zu tun haben, dann muss die Brexit-Entscheidung verwundern, stellen die Forscher vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) in einer Veröffentlichung fest. Denn die Briten haben eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa und ein höheres Wirtschaftswachstum als die anderen großen EU-Länder Deutschland, Frankreich und Italien. Doch wie so oft erzählten solche Kennziffern nicht die ganze Wahrheit. Tatsächlich sei Großbritannien eine zutiefst gespaltene Nation. Während es der Region London besonders gut gehe – die Hauptstadt tage immerhin 23 Prozent zum britischen Bruttoinlandsprodukt bei und die Mehrheit der Londoner habe für den Verbleib in der EU gestimmt –, hätten viele andere Briten das Gefühl, vom Wohlstand abgehängt zu sein.

Dem IW Köln zufolge gelten verschiedene Indikatoren in der britischen Bevölkerung als Beleg für die prekären Verhältnisse auf der Insel: die Arbeitslosenquote, Null-Stunden-Verträge oder die Zeitarbeit. Zwar ließen sich die Zeitarbeitswerte der verschiedenen europäischen Länder aufgrund unterschiedlicher Gesetze nicht eins zu eins vergleichen, gleichwohl schneide das Vereinigte Königreich auch bei diesem Indikator auffallend schlecht ab. Dass es den Briten bei ihrem Votum tatsächlich um den Austritt aus der ach so schlimmen EU ging, sei vor diesem Hintergrund nicht besonders glaubwürdig – zumal viele gar nicht so genau wissen, was es mit Europa überhaupt auf sich hat: Kein anderes Mitgliedsland schneidet beim Wissenstest über die EU so schlecht ab wie Großbritannien – wie die iwd-Grafikstrecke zeigt.

Die Null-Stunden-Verträge
Im Vereinigten Königreich sind Null-Stunden-Verträge Arbeitsverträge, bei denen der Arbeitnehmer kein bestimmtes Stundensoll erfüllt, sondern nur für die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden bezahlt wird.
 
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