„Drei von vier BU-Anträgen werden anerkannt"

Berater von Martin Thaler

Das Image von BU-Versicherungsunternehmen ist schlecht: Anfechtungen, Zermürbungstaktiken - die Liste der Vorwürfe ist lang. Die Ratingagentur Franke und Bornberg hat diese in ihrer neuen Leistungspraxis-Studie untersucht.

In 75 Prozent aller Fälle wird eine beantragte BU-Leistung auch genehmigt. Foto: Oleksandr Delyk - fotolia.de

Der Schutz, den der Versicherte durch eine Berufsunfähigkeitspolice erhalte, sei bestenfalls brüchig, hatte die „Welt“ im Februar diesen Jahres behauptet. Die Ansprüche würden angefochten, die Verfahren zögen sich über Jahre hin. Eine Feststellung, die zumindest die neue BU-Leistungsstudie der Ratingagentur Franke und Bornberg so nicht bestätigen kann.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass Versicherte eine beantragte BU-Leistung auch tatsächlich erhalten, ist hoch. Drei von vier BU-Anträgen werden anerkannt“, stellen Franke und Bornberg fest. Damit liege die Leistungsquote deutlich höher als in der gesetzlichen Rentenversicherung, wo nur jedem zweiten Antrag auf Erwerbsminderungsrente stattgegeben werde.

Fast die Hälfte aller Ablehnungen sei darauf zurückzuführen, dass der vereinbarte BU-Grad – meist 50 Prozent – nicht erreicht wurde. Ein weiteres Viertel aller negativen Entscheide resultiere aus Anfechtungen und Rücktritten. Das legt Rückschlüsse auf die Qualität der Beratung nahe. Aber nicht immer gehen Verletzungen der Anzeigepflicht auf das Konto des Vermittlers. Auch Kunden lassen sich von dem Irrglauben leiten, den gewünschten Schutz nur mit falschen Angaben zu erhalten, heißt es von Seiten der Agentur weiter.

Abstrakte Verweisung führt nur Schattendasein

Kaum eine Rolle für eine Ablehnung spiele die abstrakte Verweisung: „Anders als die öffentliche Diskussion manchmal glauben macht, führt die abstrakte Verweisung nur ein Schattendasein. Obwohl sie häufig als gravierendes Manko gilt, war sie im Jahr 2014 nur für 0,4 Prozent aller Ablehnungen verantwortlich“, stellte Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg, fest.

Auch konkrete Verweisungen sowie die Forderung nach Umorganisation des Arbeitsplatzes seien auf dem Rückzug, so Franke weiter.

Bleibt der Vorwurf nach der jahrelangen Verschleppung: Wie langen brauchen die Versicherer also für ihre Entscheidung? Im Durchschnitt 168 Tage (nach 171 Tagen im Jahr 2013), lautet das Ergebnis der Ratingagentur. In der Stichprobe vor Ort war die Dauer mit rund 196 Tagen knapp einen Monat länger, weil Ablehnungen hier mit 75 Prozent überproportional vertreten sind. Pauschal sei festzustellen, dass Ablehnungen länger dauern als Anerkennungen, so Franke. Dennoch: „Auch im Rahmen der Untersuchung 2015 konnten wir bei keiner Gesellschaft Anzeichen für eine systematische Verschleppungstaktik feststellen.“

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So schnitten die einzelnen Unternehmen im BU-Rating ab
Die durchschnittliche Reaktionszeit auf die Meldung der Berufsunfähigkeit liegt weitunterhalb des Durchschnitts der Vergleichsgruppe. Gleiches gilt für die durchschnittlicheReaktionszeit auf den Eingang des Kundenfragebogens.• Die durchschnittliche Regulierungsdauer ist sowohl bei Anerkennungen als auch Ablehnungenim Vergleich ebenfalls sehr kurz.• Bei allen Leistungsentscheidungen werden dem Kunden die Grundlagen der Entscheidungverständlich erläutert. Sollte der Kunde oder andere Institutionen versäumen,wichtige Unterlagen einzureichen, werden regelmäßig Erinnerungen verschickt. StetigeSachstandmitteilungen informieren den Kunden über den Bearbeitungsstand.
 
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