Naturgewalten – Ruf nach Versicherungspflicht

Versicherungen von Carla Fritz

Risikoschutz gegen Naturgewalten – kein leichtes Unterfangen. Das bestätigt einmal mehr eine Studie. Die Forderung nach einer Pflichtversicherung steht dabei im Raum und eine Gesetzesinitiative der Länder in Aussicht.

Perfektes Timing möchte man fast meinen: Das Orkantief „Xaver“ war gerade durch Deutschland gerast, da legte die Verbraucherzentrale Sachsen bereits ihre Untersuchung zum Vertragsabschlussverhalten von Versicherungsunternehmen beim Elementarschadenrisiko vor. – So kann manchmal der Zufall zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen, die bei diesem Thema immer ganz schnell abflaut, sobald die Gefahr vorüber scheint.

50 Gesellschaften waren im Oktober 2013 angeschrieben worden, etwa die Hälfte hat geantwortet. Das Untersuchungsergebnis habe die Rückmeldungen von Betroffenen der Juni-Überschwemmungen bestätigt, bilanzieren die Verbraucherschützer. „Wer in einer Hochrisikozone lebt, hat kaum Chancen auf einen umfassenden Elementarschaden-Versicherungsschutz.“ In Gefährdungszone 4 gleicht es demnach einem Glücksspiel, eine solche Police zu erhalten. Mangels Angeboten gebe es dort keinen funktionierenden Wettbewerb.

Lediglich zwei Unternehmen gaben – wie es heißt – „ohne Umschweife“ an, auch Wohnhäuser in der höchsten Gefährdungszone (ZÜRS 4) zu versichern. „Ob dann ein Verbraucher sein Haus dort tatsächlich versichern kann, ist damit aber noch nicht gesagt, wie eine Anfrage eines Betroffenen gezeigt hat“, so Andrea Heyer, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen.

Bezahlbarer Schutz und „Abwehrkonditionen“
In weniger gefährdeten Gebieten ist laut Analyse der Versicherungsschutz zwar erhältlich, aber schon heute – bei Prämien von 600 bis 1.000 Euro jährlich allein für die Elementarschadenversicherung in Risikozone 3 – für manche Betroffene kaum noch bezahlbar. In „sehr teuren Prämien“ sieht die Verbraucherzentrale Sachsen „Abwehrkonditionen“. Der Untersuchung zufolge wurden aber auch Jahresprämien unter 200 Euro genannt. Es sei also möglich „bezahlbaren Versicherungsschutz“ anzubieten.

Verwunderung löste die „zum Teil stark unterschiedliche“ Beurteilung des Überschwemmungsrisikos für ein und dieselbe Adresse aus. Das von der Versicherungswirtschaft verwendete geografische Zonierungssystem ZÜRS legt hier bekanntlich vier Gefährdungsklassen im Hinblick auf die statistisch ermittelte Hochwasserhäufigkeit fest. Ob einmal in zehn Jahren oder nur einmal in 50 bis 200 Jahren, das macht – so die Untersuchung – einen deutlichen Prämienunterschied. Die schlechtere Einstufung bei der einen oder anderen Gesellschaft kann dabei nach Ansicht der Verbraucherschützer „wohl nicht mit dem tatsächlichen Risiko begründet“ werden.

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Im "Samariter-Dilemma"


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