Wohngebäude-Urteil: Ist eine Duschkabine Teil der Wasserleitung?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Durch eine unversiegelte Stelle war Wasser aus der Duschkabine einer Frau in eine Wand gelangt und hatte dort Schaden angerichtet. Ihr Versicherer sah jedoch keinen Anlass zur Regulierung. Erst das OLG Naumburg konnte für Klarheit sorgen.

Sonstige Einrichtungen, die mit der Wasserleitung verbunden sind, sind in der Wohngebäudeversicherung mitversichert. Gehört eine Duschkabine dazu?

Sonstige Einrichtungen, die mit der Wasserleitung verbunden sind, sind in der Wohngebäudeversicherung mitversichert. Gehört eine Duschkabine dazu? Bild: Pixabay

Rohrleitungen sind die Achillesferse der Wohngebäudeversicherung. In den letzten 15 Jahren sorgten Leitungswasserschäden für rund die Hälfte aller Schadenfälle in dieser Sparte. Wie weit die Definition der versicherten Gefahr Leitungswasser reichen kann, wurde kürzlich auch vor dem Oberlandesgericht Naumburg verhandelt (Az.: 4 U 67/17).

Eine Hauseigentümerin hatte Feuchtigkeitsschäden in der Wand zwischen ihrem Wohnzimmer und ihrem Bad bemerkt. Den Schaden meldete sie ihrem Wohngebäudeversicherer. Dieser beauftragte einen Gutachter, der feststellte, dass das an den Fliesen herunterlaufende Duschwasser über eine nicht versiegelte Stelle an den Duscharmaturen in die Wand eingedrungen war. Die Kosten für die Reparatur wurden auf rund 7.500 Euro geschätzt, die Frau ließ diese durchführen.

Versicherer verweigerte die Leistung

Der Versicherer weigerte sich allerdings, seiner Kundin das Geld zu erstatten. Er argumentierte, dass hier kein bestimmungswidriger Austritt von Leitungswasser vorgelegen habe. Schließlich habe das Wasser den Duschkopf und damit das versicherte Rohrsystem ordnungsgemäß verlassen.

Darüber hinaus bezweifelte der Versicherer, dass man die Duschkabine als mit der Wasserleitung verbundene sonstige Einrichtung ansehen könne, die bedingungsgemäß mitversichert wäre. Er zeigte sich überzeugt davon, dass der Fliesenspiegel, also die Oberfläche an der das Wasser heruntergelaufen und in die Wand eingedrungen war, jedenfalls nicht mehr einer mit dem Rohrsystem verbundenen sonstigen Einrichtung zuzurechnen sei.

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