Verbraucherzentrale Bremen insolvent: Fehler bei der Altersvorsorge

Berater Top News von Florian Burghardt

Die Verbraucherzentrale Bremen ist pleite. Schuld sein sollen Fehler bei der Altersvorsorgeplanung für die eigenen Mitarbeiter. Die Qualifikation der Verbraucherschützer in Finanzfragen ist Vermittlern schon länger ein Dorn im Auge.

Die Verbraucherzentrale Bremen will sich nun in Eigenverantwortung finanziell restrukturieren. Im Bild: Vorständin Dr. Annabel Oelmann.

Die Verbraucherzentrale Bremen will sich nun in Eigenverantwortung finanziell restrukturieren. Im Bild: Vorständin Dr. Annabel Oelmann. Bild: Verbraucherzentrale Bremen

Die Verbraucherzentrale Bremen e.V. (VZB) kann ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Mithilfe eines Insolvenzplans wolle man sich nun wirtschaftlich neu aufstellen und in Eigenverantwortung restrukturieren, heißt es von Seiten der VZB. Auf diesem Wege sollen „in erheblichem Umfang drohende sozialversicherungsrechtliche Ansprüche der Altersversorgung“ abgewendet werden.

Weiter heißt es, dass die Geschäftsführung im Amt bleiben und weiter uneingeschränkt agieren soll, um das Verfahren für alle Beteiligten transparenter zu gestalten. Die Gehälter der 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien abgesichert, das Leistungsangebot des Beratungszentrums in Bremen und der Beratungsstelle Bremerhaven weiterhin vollumfänglich sichergestellt.

Die VZB erklärt zudem: „Grund für diese außergewöhnliche Maßnahme sind nicht ausreichend versicherte Verpflichtungen, die sich auf die Beschäftigungsverhältnisse auswirken.“ Der Weser Kurier wird hier konkreter: Die Verbraucherschützer hätten ihren Mitarbeitern durch einen vor Jahren falsch zugeordneten Versorgungsanbieter höhere Altersvorsorgebezüge zugesagt, als diesen zugestanden hätten. Folglich fehle es nun an ausreichenden Rücklagen. Das will die Zeitung aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen erfahren haben.

Genugtuung für oft gescholtenen Vertrieb?

Die Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbranche muss sich von den einzelnen Verbraucherzentralen und ihrem Bundesverband (vzbv) seit Jahren immer wieder Vorwürfe anhören. Besonders häufig werden dabei die Anbieter und der Vertrieb von Riester-Produkten kritisiert. Aber auch fragwürdige Verbraucherschützer-Äußerungen zur Berufsunfähigkeitsversicherung haben schon mehrfach für Aufsehen gesorgt. Dies hatte in der Vergangenheit zahlreiche Versicherungsvermittler sogar dazu bewogen, eine Petition für mehr Qualität im Verbraucherschutz auf den Weg zu bringen.

Zwar ist eine Insolvenz kein Grund zur Freude und sollte grundsätzlich vermieden werden. Jedoch könnte es der eine oder andere Versicherungsvermittler oder -mitarbeiter als Genugtuung empfinden, dass ein dauerhafter Kritiker ihrer Arbeit nun selbst Fehler bei der finanziellen Kompetenz eingestehen muss.

AfW übt Kritik

Der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW erklärte heute, dass er sich damit in seiner Kritik an der mangelnden Qualifizierung der Mitarbeiter von Verbraucherzentralen gerade in Fragen der Altersvorsorge und Risikoabsicherung bestätigt sieht. Gewerblich tätige Berater müssten ihre Sachkunde gegenüber der Industrie- und Handelskammer nachweisen, wogegen gleiches für die staatlich geförderten Verbraucherschützer nicht gelte.

Norman Wirth, Geschäftsführender Vorstand des AfW, sagte: „Wir halten Verbraucherzentralen in vielen Bereichen für wichtig und gut. Aber gerade weil sie Missstände im Markt anprangern, sollten sie selbst Vorbild sein. Ständig müssen sich unsere Mitglieder von den vermeintlichen Verbraucherschützern pauschal und ohne belastbare Grundlage vorhalten lassen, provisionsexzessiv und qualitativ schlecht zu beraten. Und seit Jahren weisen wir darauf hin, dass es schwerlich sein kann, wenn in den staatlich subventionierten Beratungsstellen ohne klare Ausbildungs- und Qualifizierungsanforderungen die Bürger auch in Altersvorsorgefragen beraten werden. Schlimm, wenn es jetzt sogar dort die eigenen Mitarbeiter betrifft.“

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare