P&R-Pleite: Anklage wegen Betrug erhoben

Sachwerte von Michael Fiedler

P&R-Pleite: Die Staatsanwaltschaft München hat gegen den Gründer des insolventen Container-Vermieters Anklage erhoben. Heinz R., der sich bereits in Untersuchungshaft befindet, wird gewerbsmäßiger Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Container Vermietung P&R Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft München hat nun Anklage gegen P&R-Firmengründer Heinz R. erhoben. Bild: Matthias Balk/dpa

In Sachen P&R-Pleite hat die Staatsanwaltschaft München nun Anklage gegen Firmengründer Heinz R. erhoben. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug in 414 Fällen, darunter 88 Fälle mit Verursachung eines Schadens großen Ausmaßes und Steuerhinterziehung in 12 Fällen.

Laut Staatsanwaltschaft sah das Geschäftsmodell der P&R-Gruppe vor, Anlegern Frachtcontainer als Sachanlage zu verkaufen, die diese dann sofort wieder an P&R zurückvermieteten. P&R ihrerseits vermietete die Container an Leasinggesellschaften, die die Container an Reedereien verleasten. Nach Ablauf der Mietzeit kaufte die P&R die Container zu einem zuvor in Aussicht gestellten Rückkaufpreis von den Anlegern zurück und verwertete die Container bis zum Ablauf ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer als Anlageobjekt im Rahmen anderer Anlageangebote weiter.
Ab 2007 seien dann mehr Container an Anleger verkauft worden, als tatsächlich vorhanden waren. Da aber in der Folgezeit die mit dem Ist-Bestand erwirtschafteten Einnahmen nicht zur Bezahlung der auf den Soll-Bestand zu leistenden Zahlungen an die Anleger ausreichten, wurden im stetig steigendem Maße Gelder von Neuanlegern zur Auszahlung vermeintlicher Renditen an Bestandsanleger verwendet, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Dadurch wuchs die Fehlbestandsquote kontinuierlich an und betrug beim Zusammenbruch der deutschen P&R-Gesellschaften im März 2018 mehr als 60 Prozent.

Vorwurf: Keine Aufklärung über Ausfallrisiko

Dieser Umstand sei dem Angeschuldigten Heinz R. klargewesen. Dennoch – so der Vorwurf – seien Anleger nicht über die desolate finanzielle Situation und das Ausfallrisiko von mindestens 50 Prozent aufgeklärt worden. Betroffen sind davon Verträge, die ab Februar 2017 geschlossen wurden. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um 268 Anleger mit 414 Verträgen über rund 27.000 Container. Allein diesen Anlegern soll ein Schaden von mindestens 17.987.000 Euro entstanden sein.

Mammutverfahren in Aussicht

41 Leitzordner sind nötig, um die Verfahrensakten der Staatsanwaltschaft München in diesem Fall aufzubewahren. Die 268 Anleger sind in der 66-seitigen Anklageschrift als Zeugen benannt – vor dem Landgericht München droht also ein langwieriger Prozess. Das Gericht benannte noch keinen Termin für die Eröffnung des Hauptverfahrens. Der Angeschuldigte Heinz R. äußerte sich bisher nicht umfassend zu den ihm vorgeworfenen Taten.

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