Pflege statt Phlegma

Berater Top News Meistgeklickt von Martin Thaler

Die Nachfrage nach privaten Pflegezusatzversicherungen ging zuletzt zurück – dabei war das Thema noch nie so drängend wie heute. Ein neuer Impuls kommt aus der Wirtschaft. Auch Makler könnten profitieren.

Pflege Pflegezusatzversicherung Zusatzversicherung

In Sachen Pflegeabsicherung sind Deutsche zu phlegmatisch. shutterstock.com / znakki

Auf den ersten Blick liest sich die Geschichte der privaten Pflegezusatzversicherungen wie eine schillernde Erfolgsstory: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der abgeschlossenen Pflegetagegeldversicherungen & Co. mehr als verdoppelt. Über 2,74 Millionen Verträge existierten Mitte 2018, hinzu kommen noch einmal knapp 850.000 staatlich geförderte Pflegezusatzpolicen, der sogenannte „Pflege-Bahr“.

Auf den zweiten Blick wirken diese Zahlen allerdings nicht mehr so überwältigend. Denn noch nicht einmal fünf Prozent der erwachsenden Deutschen haben ihre Pflegebedürftigkeit abgesichert. Dabei wäre dies dringend geboten.

440.000 Menschen in Deutschland und damit jeder sechste Pflegebedürftige war Ende 2017 auf Hilfe vom Sozialamt angewiesen, da die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sowie Rente und andere Einkommen nicht dazu reichten, die Pflegekosten zu bezahlen. Im Jahr 2006 hatte diese Zahl noch bei 360.000 Pflegebedürftigen gelegen.

Dies hängt auch mit dem wachsenden Eigenanteil zusammen, den Menschen für einen Pflegeheimplatz aufbringen müssen. Im Juni 2018 lag dieser laut Angaben der privaten Krankenversicherer durchschnittlich bei 1.831 Euro im Monat, in manchen Bundesländern noch einmal deutlich darüber. Das waren acht Prozent mehr als im Vorjahr. Verantwortlich hierfür seien vor allem die gestiegenen Personalkosten, erklärt der Versicherungsberater und Pflege-Experte Gerhard Schuhmacher, die „vor allem im Bereich der stationären Pflege zu gravierenden Preissteigerungen“ geführt hätten (siehe Interview).

Zurückhaltung beim Kunden

Auf die Abschlusszahlen von Pflegezusatzversicherungen scheint sich diese Entwicklung allerdings nicht auszuwirken. Stattdessen erlahmte die Nachfrage 2018. Bis Mitte des Jahres kamen nach Angaben des PKV-Verbandes gerade einmal 8.025 neue Verträge hinzu, beim „Pflege-Bahr“ waren es rund 15.000 Verträge. Für die Zurückhaltung der Kunden sieht Maximilian Waizmann mehrere Gründe. „Zum einen ist es vielen Menschen sicherlich unangenehm, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen“, glaubt der Makler aus Olsing (Bayern). Oftmals geschehe dies erst, wenn man im eigenen Umfeld mit einem Pflegefall konfrontiert werde. „Zum anderen ist Pflege ein Risiko, das eher alte Menschen betrifft – viele jüngere Menschen denken daher, dass es für sie noch zu früh ist, dieses Thema abzusichern.“

Hinzu kommt eine gewisse Sorglosigkeit: Laut einer Continentale-Studie zum Absicherungsverhalten der Deutschen erklärten 85 Prozent der Befragten, dass eine Pflegezusatzversicherung für sie nicht wichtig sei. Gründe hierfür waren unter anderem das Vertrauen in die eigene Familie bzw. in die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Eine gefährliche Wette. Denn zum einen haben sich die Familienstrukturen in den vergangenen Jahrzehnten merklich verändert, oftmals haben die Kinder den Heimatort für Jobs im Rest der Republik oder im Ausland verlassen. Auch Ehen halten nicht zwingend bis zum Lebensende. So stieg die Zahl der Single-Haushalte in den vergangenen Jahren auf über 16 Millionen.

Bleibt die gesetzliche Pflegeversicherung: Dass der Staat das bestehende Teilkasko-System grundlegend reformiert, ist zwar nicht auszuschließen. Immer mehr Stimmen fordern eine Vollkasko-Versicherung. Ob und wann eine solche grundlegende Reform jedoch kommt, ist unsicher. Die Kosten hierfür dürften nämlich hoch ausfallen, ist Stefan M. Knoll, Vorsitzender der Deutschen Familienversicherung, überzeugt. „Dies ist sozialpolitisch, im Sinne der Generationengerechtigkeit, unvernünftig und verantwortungslos gegenüber der Generation meiner Kinder. Die Menschen müssen selbst vorsorgen.“

Seite 1: Zurückhaltung beim Kunden
Seite 2: Impuls aus der Wirtschaft

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare