Korrelation: „2018 war ein außergewöhnliches Jahr“

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Matthias Hundt

Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa bei der DWS, über ein kurioses Anlegerjahr 2018 und darüber, wie Anleger wieder einen Diversifikationseffekt erzielen können.

Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa, DWS_Foto: DWS

procontra: Warum wurden 2018 nahezu alle Anleger, was die Rendite betrifft, enttäuscht?

Martin Moryson: Bei vielen Anlegern standen im vergangenen Jahr Konjunktursorgen im Vordergrund: In nahezu allen Medien wurde die Frage diskutiert, ob die Weltwirtschaft in eine Rezession abrutscht. Auslöser hierfür waren insbesondere die unkonventionelle Handelspolitik der USA und deren mögliche Folgen auf den Welthandel. Hinzu kam die Ahnung, dass der Handelskonflikt mit den USA die chinesische Wirtschaft zu einem konjunkturell ungünstigen Zeitpunkt treffen könnte.

Inzwischen trägt China immerhin rund ein Viertel zum Wachstum der Weltwirtschaft bei. Kein Wunder also, dass Anleger nervös werden, wenn der chinesische Konjunkturmotor stottert. Wir sind aber zu keinem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass die Weltwirtschaft dieses Jahr in rezessive Gewässer geraten könnte.

procontra: Wie dominant bleibt der Bär an den Börsen?

Moryson: Offensichtlich setzt sich der Trend nicht fort. Denn wir haben ja schon eine ordentliche Korrektur der Korrektur gesehen. Die meisten Investoren teilen wohl inzwischen unsere Meinung, dass es für eine Rezession noch zu früh ist. Was wir aber sehen ist eine Abschwächung des Wachstums – vor allem in den Industrieländern. Das hat aber auch sein Gutes. Je weniger das Wachstum über das Potential hinausschießt, desto länger kann der Aufschwung noch dauern. Allerdings gibt es auch Gegenwind von vielen Seiten, nämlich die weiterhin ungelösten Handelskonflikte und die steigenden Löhne. Das lässt unsere Erwartungen für dieses Jahr nicht überschäumen.

procontra: Warum traf es Aktien- und Bondmärkte 2018 gleichermaßen?

Moryson: Die Furcht vor einer von eskalierenden Handelskonflikten ausgelösten Rezession traf vor allem die Aktienmärkte mit voller Wucht. In den USA beispielsweise ist der Aktienmarkt im letzten Monat des Jahres 2018 so stark gefallen wie seit Dezember 1901 nicht mehr. Gleichzeitig setzte die fortgesetzte Normalisierung der Geldpolitik der Federal Reserve die Märkte für Anleihen unter Druck. Dessen ungeachtet ließ sich aber mit sehr konservativen Anlagen wie Bundesanleihen immer noch ein Diversifikationseffekt erzielen.

„Die meisten Investoren teilen wohl inzwischen unsere Meinung, dass es für eine Rezession noch zu früh ist.“

procontra: Wird diese Korrelation dauerhaft fehlen?

Moryson: Was die Korrelation angeht war 2018 ein außergewöhnliches Jahr. In dem Maße wie die Konjunktursorgen abebben, könnte es auch wieder zu einem moderaten Zinsanstieg kommen und damit das alte Muster zurückkehren.

procontra: Nahezu alle Aktienmärkte gingen 2018 auf Talfahrt. Darüber hinaus fehlte die Korrelation zwischen Aktien und Renten. Wie kann der Privatanleger überhaupt noch diversifizieren?

Moryson: Auch wenn es Phasen gibt, in denen sich die Kurse vieler Anlageklassen im Gleichschritt bewegen, bleibt eine breit angelegte globale Diversifikation das A und O an den Kapitalmärkten. Das hat selbst das, hinsichtlich der Korrelationen, besondere Jahr 2018 gezeigt. Denn einer Auswertung der Rating-Agentur Morningstar zufolge hätten Dollar-Investments und Staatsanleihen aus dem Euroraum die Wertentwicklung eines Portfolios im vergangenen Jahr retten können. Allerdings dürfte es für viele Privatanleger schwierig sein, solche Gelegenheiten zu entdecken und für sich zu nutzen. Ein global agierender Vermögensverwalter hat es hingegen oftmals leichter.

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