Beteiligungsbranche am Boden!?

Sachwerte Top News von Alexandra Jegers

Mit geschlossenen Fonds haben Anleger Milliarden verloren, noch immer gelten die Investments als äußerst riskant. Dennoch verzeichnet die Branche wieder steigende Zuflüsse.

JDC Grabmaier AIF Investment Beteiligung

„Alternative Investmentfonds sind heute ähnlich gestaltet wie offene Fonds“, sagt Sebastian Grabmaier von Jung, DMS & Cie. (siehe Foto, JDC)

Wenn es stimmt, dass Totgesagte länger leben, dann müssten geschlossene Fonds locker alle anderen Anlageklassen überdauern. Unzählige Skandale haben das Image der Branche ruiniert. Produkte wie die Drei-Länder-Fonds, mit denen Anleger unter anderem in Musical-Theater, Sauna-Landschaften oder Casinos investierten, warben um die Jahrtausendwende mit zweistelligen Renditen und erwiesen sich im Nachhinein als Milliardengrab.

Traurige Berühmtheit erlangten auch Schifffonds, die nach der Finanzkrise reihenweise absoffen und bei ihren Pleiten rund zehn Milliarden Euro an Anlagegeld versenkten. Ebenso floppten in den vergangenen Jahren etliche Medienfonds, was Anlegern nicht nur Verluste, sondern auch horrende Steuernachzahlungen bescherte. Die spektakuläre Pleite des Windanlagen-Betreibers Prokon im Jahr 2013 erschütterte das Vertrauen der Anleger einmal mehr.

Absatzzahlen sind im Keller

Die schmerzlichen Erfahrungen mit dieser angeblich so renditeträchtigen Form der Geldanlage haben sich tief ins Gedächtnis der Anleger eingebrannt. Das spiegelt sich unter anderem in den Absatzzahlen geschlossener Fonds wider: Nach der Prokon-Pleite brachen die Investitionen in die Anlageklasse fast vollständig ein, zeigen Daten des Fondsanalysehauses Scope. Im vergangenen Jahr sammelten geschlossene Fonds gerade einmal rund 1,1 Mrd.Euro ein. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2007 investierten Anleger noch rund 13 Mrd. Euro in geschlossene Fonds. Selbst kurz nach der Finanzkrise sammelten die Anbieter jährlich noch mehr als fünf Mrd. Euro ein.

Auch im Repertoire von Vermittlern fanden sich die einstigen Verkaufsschlager zuletzt nur noch selten. Im Jahr 2017 vermittelte laut Vermittlerbarometer des Bundesverbands Finanzdienstleistung (AfW) nur jeder Vierte von insgesamt rund 1.700 befragten Finanzberatern geschlossene Sachwertinvestments an Kunden –und das, obwohl rund 60 Prozent aller Vermittler in Deutschland über eine entsprechende Lizenz verfügen. Als Gründe für die Skepsis gaben die Befragten an, ihre Kunden hätten in der Vergangenheit zu oft schlechte Erfahrungen mit Produkten dieser Art gemacht. Mehr als ein Drittel bezeichnete geschlossene Fonds sogar als „Teufelszeug“ und kritisierte, dass es auf dem Markt zu wenige gute Produkte gebe.

Geschlossene Fonds sind als Kommanditgesellschaften strukturiert, rechtlich gesehen also keine Fonds, sondern Unternehmen. Der Fondsanbieter gibt für begrenzte Zeit Anteile an dem Unternehmen aus. Sind alle Anteile verkauft, investiert er das eingesammelte Kapital in einige wenige Projekte, manchmal auch nur in ein einziges – etwa Bürogebäude, Windkraftanlagen oder Containerschiffe.

Investoren müssen häufig einen hohen Mindestbetrag von 10.000 oder 20.000 Euro einzahlen, dafür werden sie als Kommanditisten unternehmerisch am Erfolg der Firma beteiligt. Bei Insolvenz eines geschlossenen Fonds ist das eingesetzte Kapital allerdings in der Regel verloren. Viele Vermittler raten Privatanlegern aus diesem Grund von solchen Investments ab.

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