Berufsunfähigkeit: Neue Jobs, altes Risiko?

Versicherungen von Florian Burghardt

„Jeder Vierte wird berufsunfähig.“ So wird seit Langem die Notwendigkeit einer BU-Police angepriesen. Aber trifft das überhaupt noch auf die moderne Arbeitswelt zu? Eine Studie der Deutschen Aktuarvereinigung gibt Auskunft.

Ergonomische Bürostühle, flexible Arbeitszeiten und immer weniger körperlich anstrengende Tätigkeiten. Eigentlich müsste die moderne Arbeitswelt das BU-Risiko doch senken, oder?

Ergonomische Bürostühle, flexible Arbeitszeiten und immer weniger körperlich anstrengende Tätigkeiten. Eigentlich müsste die moderne Arbeitswelt das BU-Risiko doch senken, oder? Bild: Pixabay

„Jeder Vierte wird berufsunfähig.“ Dieser Satz als Argument zum Abschuss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist in der Branche oft zu hören. Aber ist er überhaupt korrekt?

Ja, sagt die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV). In einer aktuellen Erhebung haben die Aktuare ermittelt, dass es im Laufe des Arbeitslebens durchschnittlich 25 Prozent der Menschen mindestens ein Mal erwischt (zur Dauer wird nichts angegeben; vermutlich gelten aber die branchenüblichen Zeiträume von sechs bzw. zwölf Monaten als Minimum). Diese Erkenntnis fußt auf einer Auswertung der rund 17 Millionen privaten BU-Policen in den Beständen der GDV-Mitglieder sowie dem Tafelwerk „DAV 1997 I“.

Zwar merkt die DAV an, dass die Daten des Kollektivs der privat abgesicherten Personen nicht unbedingt auf die Gesamtbevölkerung übertragbar sind. Jedoch würden frühere Erfahrungswerte unter anderem der gesetzlichen Rentenversicherung den aktuellen Ergebnissen sehr ähneln. Weitere Ergebnisse der DAV-Untersuchung gibt es hier.

Moderne Berufe senken das BU-Risiko nicht

Die Studienautoren erklären auch, dass die BU-Quote bei der Betrachtung verschiedener Lebensalter bei Eintritt in das Erwerbsleben und beim Übergang in die Rente deutlich variieren würde. Natürlich würde das Risiko, berufsunfähig zu werden, auch vom ausgeübten Beruf abhängen. Für bestimmte Berufsgruppen können deshalb auch Aussagen wie „Jeder Dritte wird berufsunfähig“ oder „Jeder Fünfte wird berufsunfähig“ richtig sein, betont man bei der DAV. Hierzu würde sie aktuell aber keine Daten besitzen.

Mit Blick auf die sich ändernde Berufswelt ist es jedoch interessant zu sehen, dass ein 25-prozentiges BU-Risiko, laut DAV, schon seit mindestens 20 Jahren existiert. Der deutliche Rückgang körperlich anstrengender Tätigkeiten habe deshalb anscheinen keinen oder nur einen geringen Einfluss, schlussfolgern die Studienautoren. Daraus wird als Fazit abgeleitet, dass auch moderne Berufe, die zunehmend digitalisiert und automatisiert sind, das BU-Risiko nicht senken. Hauptgrund dafür sei, dass psychische Erkrankungen als BU-Ursache immer weiter zunehmen.

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