Wenn Schnee die An- oder Rückreise verhindert

Versicherungen von Detlef Pohl

Schneedruck und Lawinen schneiden in den Alpen derzeit manche Orte von der Außenwelt ab. An- und Abreise sind da ebenso unmöglich wie die Nutzung vieler Skipisten. Was versichert ist, wenn der Schnee Urlaub und Arbeit verhindert.

Stürzt ein Dach durch die Last des Schnees ein, leistet die Elementarschadenversicherung. Eine Wohngebäudeversicherung ohne diesen Zusatz zahlt bei Schäden durch Schneedruck nicht.

Stürzt ein Dach durch die Last des Schnees ein, leistet die Elementarschadenversicherung. Eine Wohngebäudeversicherung ohne diesen Zusatz zahlt bei Schäden durch Schneedruck nicht. Bild: GDV

Der Januar zeigt meist die Kraft der Naturgewalten. Vor allem im Süden Deutschlands fällt seit Tagen kräftig Schnee. Vielerorts wächst die Sorge vor Lawinen und Schäden durch Schneedruck. Schadenzahlen gibt es noch nicht (procontra berichtete). „Doch Entschädigung ist in diesen Fällen nur mit einer Elementarversicherung möglich“, sagt die Gothaer Versicherung.

Doch was ist mit Schäden, die in Zusammenhang mit der gebuchten Reise, Ausfall des Verkehrsmittels und zwischenzeitlich unmöglicher Rückreise nach Hause und an den Arbeitsplatz entstehen? Müssen Touristen für Transport und Unterkunft zahlen? Welche Versicherung hilft bei Schäden? Zunächst: Es macht einen Unterschied, ob die Reise als Gesamtpaket über einen Reiseveranstalter oder als Individualreise gebucht wurde.

Zu viel Schnee ist nicht versichert

Zu viel Schnee ist kein Grund für eine Erstattung. Sind aber Straßen unpassierbar, ist höchste Lawinengefahrstufe ausgerufen und der Betrieb von Skiliften eingestellt, dann ist die Leistungserbringung durch den Veranstalter oder Hotelier nicht mehr voll möglich. Pauschalreisende können noch vor dem Start zurücktreten und Geld zurückverlangen. Normalisiert sich die Lage, kann der Veranstalter auf spätere Anreise mit anderem Verkehrsmittel pochen. Ist der Reisende bereits vor Ort, kann er anteilige Rückerstattung für nicht nutzbare Leistungen und alternativen Rücktransport verlangen.

Individualreisende haben da schlechtere Karten. Bei blockierten Straßen können auch sie ihre Unterkunft vor der Anreise kündigen, meint die Verbraucherzentrale Sachsen. Wer schon im Skigebiet ist, wenn  außergewöhnliche Wetterumstände eintreten, muss die Unterkunft bezahlen und sich um alternativen Rücktransport auf eigene Kosten kümmern.

Wetter ist meist kein Grund für Rücktritt und Abbruch

In manchen Fällen hilft dem Kunden eine Versicherung, die gute Berater empfehlen. Die klassische Trennung zwischen Reiserücktrittskosten- und Reiseabbruch-Versicherung wird zunehmend beseitigt. Einer der ersten war 2013 die MDT Travel Underwriting GmbH. Deren Kunden können seither zwischen der „reinen“ Reiserücktrittskosten-Versicherung mit Umbuchungsgebührenschutz und Kombinationsprodukten wählen, bei denen der Reiseabbruch samt Stornokosten integriert ist. In allen Produktlinien werden zusätzliche Rückreisekosten bei vorzeitiger Abreise aus versichertem Grund erstattet. Einzelheiten gibt es im Internet.

Es kommt bei der Entschädigung jedoch stets auf das Kleingedruckte an, das äußere Einflüsse wie das Wetter nicht als versicherte Gründe ansieht. Beispiel Europäische Reiseversicherung (ERV). Deren „Jahres-Reiseschutz“ (von FINANZTEST 3/18 als „gut“ bewertet) nennt als versicherte Gründe:

  • unerwartete schwere Ersterkrankung sowie verschlechterte Vorerkrankung, sofern in den letzten sechs Monaten vor Reiseantritt keine ärztliche Behandlung erfolgte,
  • schwere Unfallverletzung,
  • Schwangerschaft,
  • Tod,
  • Arbeitsplatzverlust oder -wechsel,
  • erheblicher Schaden am Eigentum durch Feuer, Wasserrohrbruch oder Elementarereignisse zu Hause.

Die Ursachen liegen also stets beim Kunden selbst, nicht bei äußeren Einflüssen wie Witterung. Ausdrücklich keinen Schutz bietet die ERV bei Sperrung des öffentlichen Verkehrs und anderer Eingriffe von hoher Hand. Versichert ist dagegen Verspätung des öffentlichen Verkehrsmittels, wenn man damit gebuchte Verkehrsmittel verpasst und gegebenenfalls den Aufenthalt verlängern muss.

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