Versicherer zahlen mehr Provisionen

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Im Jahr 2017 sind 17 Milliarden Euro Provisionen im Versicherungsbereich gezahlt worden. Dies ist eine Milliarde mehr als im Jahr zuvor, teilt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion mit. Die wichtigsten Details.

Im Versicherungsbereich stiegen die Provisionen von 2013 (15,5 Milliarden Euro) bis 2017 (17,0 Milliarden Euro) jedes Jahr leicht an. Bild: Pixabay

Im Jahr 2016 waren es 16,2 Milliarden Euro und ein Jahr zuvor 15,9 Milliarden Euro gewesen. Für 2018 lagen noch keine Daten vor. Über die Höhe der Provisionen, die im Wertpapier- oder Finanzanlagenbereich gezahlt wurden, liegen nach Angaben der Regierung keine Informationen vor. Die Antwort der Bundesregierung vom 28. Dezember 2018 (19/6069) auf die FDP-Anfrage vom 12. November enthält zudem statistische Angaben über Anlagen- und Versicherungsberater.

Über die Höhe der Provisionen, die in den letzten fünf Jahren im Zusammenhang mit Wertpapierdienstleistungen im Rahmen der Anlageberatung (Paragraf 93 WpHG) oder im Bereich der Finanzanlagenvermittlung (34h und 34i GewO) ausgeschüttet wurden, liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.

Bei Provisionen Versicherungsvertreter eingerechnet

Im Versicherungsbereich stiegen die Provisionen von 2013 (15,5 Milliarden Euro) bis 2017 (17,0 Milliarden Euro) nach Angaben der Bafin jeweils leicht an (procontra berichtete). Unter Provision versteht die Bundesregierung die „Abschluss- und Verlängerungsprovisionen“ sowie „Provisionen, soweit sie nicht anderen Funktionsbereichen zuzurechnen sind“. In beiden Positionen seien auch die an gebundene Versicherungsvermittler (Versicherungsvertreter) gezahlten sonstigen Bezüge enthalten.

Spannend war die Frage der FDP, ob es aus Sicht der Bundesregierung eine Verpflichtung gebe, dass Versicherer den Beitrag des Kunden um die Provisionsanteile reduzieren müssen, wenn der Kunde auf Honorarbasis bei einem Makler beraten werden will? Antwort der Bundesregierung: „Nein, eine entsprechende Rechtsgrundlage besteht nicht.“ Das verwundert.

Keine Durchleitung bei Makler-Honorarvermittlung?

Hintergrund: Versicherungsberater dürfen sich ihre Tätigkeit nur durch den Kunden vergüten lassen und Zuwendungen eines Versicherers nicht annehmen. Wird ein Bruttotarif vermittelt, ist unverzüglich die Auskehrung der Zuwendung durch den Versicherer an den Kunden nach zu veranlassen (Paragraf 48c Absatz 1 VAG).

Also fragte die FDP weiter: Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass der Versicherer die Provision nicht einbehält, ohne dass der Kunde eine Leistung erhält, wenn der Makler gegen Honorar vermittelt? Die Antwort fiel sehr speziell und durchaus rechtlich angreifbar aus: „Bietet ein Versicherer Bruttotarife an, bei denen die Maklercourtage bereits mit eingepreist ist, schuldet der Kunde dem Versicherungsmakler keine zusätzliche Vergütung.“

Aktuelle Zahlen zu Honorarberatern

Im Zusammenhang mit der FDP-Anfrage wurden neuesten Zahlen zu Honorarberatern mitgeteilt. Es gab demnach zum 1. Oktober 2018:

  • 19 unabhängige Honorar-Anlageberater (nach § 93 WpHG),
  • 193 Honorar-Finanzanlagenberater (nach § 34h GewO),
  • 349 Versicherungsberater (nach § 34d Absatz 2 GewO) und
  • 640 Honorar-Immobiliardarlehensberater (nach § 34i Absatz 5 GewO).

Weiterbildung kostet im Schnitt 600 Euro pro Jahr

Nach IDD-Umsetzungsgesetz und Versicherungsvermittlungs-Verordnung mussten Versicherungsvermittler sich bereits 2018 mindestens 15 Stunden weiterbilden. Die Bundesregierung schätzt den jährlichen Aufwand für die Weiterbildung auf insgesamt rund 312 Millionen Euro - bezogen auf 520.000 betroffene Personen (Gewerbetreibende und ihre zur Weiterbildung verpflichteten Beschäftigten).

Dies entspricht laut Bundesregierung einem jährlichen Aufwand von 600 Euro für jeden Versicherungsvermittler und für seine zur Weiterbildung verpflichteten Beschäftigten. Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung hatte kürzlich herausgefunden, dass 78 Prozent der am Vermittlerbarometer teilnehmenden Vermittler die regelmäßigen Weiterbildungspflichten begrüßen, 18 Prozent sie aber ablehnen.

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