Vermögenskonto: „Sparer sollten über Garantien selbst entscheiden“

Berater Versicherungen Top News von Jan Wagner

Frank Schäffler, finanzpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, macht sich stark für ein Altersvorsorgekonto. Wie es funktionieren könnte und woran es bislang scheitert.

Frank Schäffler, finanzpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion_Foto: Michael Szopieray (BTW MARKETING)_Studio Kohlmeier, Berlin

procontra: Herr Schäffler, die FDP will das Thema Altersvorsorge für die Bürger einfacher machen – wie geht das?

Frank Schäffler: Wir wollen ein qualifiziertes Vermögenskonto schaffen, in das jeder Bürger unter Anrechnung der Rentenversicherungsbeiträge bis zu 24.000 Euro für Ledige bzw. 48.000 Euro bei Verheirateten aus dem Bruttoeinkommen heraus sparen kann. Erst in der Entnahmephase ab 60 soll es mit dem individuellen Steuersatz besteuert werden. Wie der Bürger spart, soll er selbst entscheiden können. Ob es Fonds, Aktien, Anleihen oder Lebensversicherungen sind, bleibt ihm überlassen. Es soll vererbbar und ein Kapitalwahlrecht vorsehen können.

procontra: Wer würde das Vermögenskonto anbieten?

Schäffler: Vermögenskonten sollen neben Banken und Versicherungen auch Fondsgesellschaften und Bausparkassen anbieten können. Die Beratung soll nach den üblichen Standards ablaufen.

procontra: Für die private Altersvorsorge gibt es seit 2002 eine Lösung: Die Riester-Rente. Soll das Konto Riester ersetzen?

Schäffler: Wir wollen das Riester-Sparen in das Vermögenskonto integrieren und die Auszahlung der Zuschüsse für Geringverdiener durch das Finanzamt direkt in den Vertrag überführen lassen. Das würde eine enorme Vereinfachung bedeuten. Kursgewinne wollen wir nach fünf Jahren Haltedauer steuerfrei stellen.

„Eine Vereinfachung der Riester-Rente ist nur möglich, wenn die Auszahlung der Förderung direkt vom Finanzamt erfolgt.“

procontra: Die Regierungskoalition will aber die vorhandene Riester-Rente stärken. Wo ist Platz für Ihr Konzept?

Schäffler: Eine Vereinfachung der Riester-Rente ist nur möglich, wenn die Auszahlung der Förderung direkt vom Finanzamt erfolgt. Gerade die Vermögenswirksamen Leistungen sind dafür ein erfolgreiches Beispiel. Leider hat die Regierung die Einkommensgrenzen in den letzten Jahrzehnten nicht angepasst. Daher ist auch die Zielgruppe bei VL immer kleiner geworden. Wir wollen die Vermögensbildung allgemein und in der Breite fördern, und zwar unabhängig davon, was die Regierung macht oder eben nicht macht.

procontra: Ist es aber nicht der Fall, dass die Politik nach wie vor das Sparen mit Fonds nicht als Altersvorsorge betrachtet?

Schäffler: Ich hoffe das nicht. Denn der Kuchen ist nicht immer gleich groß, sondern eigentlich müssten die Vermögensbildung und die Altersvorsorge wachsen. Gerade mit der fatalen Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank muss die Vermögensbildung stärker auf Vermögensgüter wie Aktien und Immobilien gerichtet werden, damit überhaupt eine Chance besteht, Kapital zu bilden.

procontra: Würden die Bürger Ihr Konto akzeptieren, wenn es – anders als bei einer Rentenversicherung etwa – keine Garantie enthält?

Schäffler: Wir sind nicht gegen Garantien. Wir wollen nur, dass die Sparer dies selbst entscheiden dürfen, ob und welche Garantien sie präferieren. Bislang ist es leider so, dass es faktisch immer auf Versicherungsprodukte mit einer Verrentungspflicht hinausläuft. Das wird den Wünschen der Sparer nicht immer gerecht.

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