Urteil: Ist ein Makler zum Jahresgespräch verpflichtet?

Berater Versicherungen Top News Recht & Haftung Meistgeklickt von Detlef Pohl

Das neue Jahr hat begonnen. Und wirft damit die Frage auf, ob Versicherungsmakler verpflichtet sind, ein Jahresgespräch mit jedem Kunden zu führen. Das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) Hamburg hat sich dazu sehr genau geäußert.

Jahresgespräch

Müssen Versicherungsmakler ein Jahresgespräch mit ihren Mandanten führen? Jens Reichow (Bild) dazu im Beitrag. Bild: Jöhnke & Reichow

Ein Versicherungsmakler hatte Kunden eine Reisegepäckversicherung und eine „Familien-Vielschutzversicherung“ mit einer Hausratversicherung verschafft. Nach einem Schaden durch Raubüberfall auf die Kunden in einem Ferienhaus sollte der Versicherungsmakler für eine Unterversicherung haftbar gemacht werden.

Beide Policen waren auf eine bestimmte Versicherungssumme beschränkt, die Reisegepäckversicherung bezog sich zudem nicht auf Uhren und Schmuck aller Art. Bei den abhanden gekommenen Sachen war ferner nur der Zeitwert versichert. Daher zahlte der Reisegepäckversicherer nur für die gestohlenen Sachen (ohne Uhren und Schmuck) und nahm zehn Prozent Abzug von den Neupreisen vor. Das war dem Paar zu wenig; es verklagte den Makler auf Falschberatung und Schadenersatz wegen Unterversicherung.

Keine Haftung für Unterversicherung

Das Hanseatische OLG Hamburg entschied mit Urteil vom 27. September 2018: Der Makler haftet nicht für den Schaden. Der Versicherungsmakler hat bei Abschluss der Versicherungen nicht unzureichend beraten und war daher nicht für die Unterversicherung verantwortlich (Az.: 1 U 2/18).

Wie Jens Reichow, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht in der Kanzlei Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte in Partnerschaft, berichtet, ergab sich der beschränkte Versicherungsschutz eindeutig aus den Bedingungen. So waren Uhren und Schmucksteine aller Art vereinbarungsgemäß nicht Gegenstand der Versicherungspolice.

Dauerbetreuungspflicht während der Vertragslaufzeit

Der Versicherungsmakler habe laut dem Urteil auch nicht seine Betreuungspflichten nach Abschluss der Policen verletzt. Er sei zwar „zur anschließenden Dauerbetreuung der Interessen des Versicherungsnehmers verpflichtet“, so Reichow. Dabei müsse er über nötige Anpassungen während der gesamten Laufzeit der Policen umfassend beraten. Allerdings muss der Makler die Versicherungssituation des Kunden nicht die ganze Zeit beobachten und optimieren. „Er ist vielmehr nur dann zum Tätigwerden verpflichtet, wenn ein konkreter Anlass erkennbar ist“, erklärt Reichow.

Dabei ist nach Ansicht des OLG Hamburg zwischen der Sphäre des Versicherungsnehmers und der Sphäre des Maklers zu differenzieren. Diese Auffassung vertritt die Kanzlei Jöhnke & Reichow bereits seit vielen Jahren (Betreuungspflichten des Maklers). Im konkreten Fall hätten die Kunden beim Wunsch nach höherer Versicherungssumme und Einbeziehung von Uhren und Schmuck in den Versicherungsschutz der Reisegepäckversicherung den Versicherungsmakler informieren müssen.

Seite 1: Dauerbetreuungspflicht während der Vertragslaufzeit
Seite 2: Beispiel und die Frage nach der Pflicht

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare