Schwarzarbeit kostet deutsche Unternehmen über 300 Milliarden Euro

Panorama von Florian Burghardt

Einer Studie zufolge bleiben Umsatzeinbußen durch Schwarzarbeit ein großes Thema in Deutschland. Eine Branche ist dabei besonders betroffen. Doch es gibt auch einen Lichtblick.

Das Baugewerbe ist in Deutschland am stärksten von Umsatzeinbußen durch Schwarzarbeit betroffen.

Das Baugewerbe ist in Deutschland am stärksten von Umsatzeinbußen durch Schwarzarbeit betroffen. Bild: Pixabay

Einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge beschert die Schwarzarbeit hierzulande den deutschen Unternehmen jährliche Umsatzeinbußen von 323 Milliarden Euro. Darin eingerechnet ist unter anderem die Beschäftigung von Arbeitnehmern unter Missachtung steuerlicher und/oder sozialversicherungsrechtlicher Pflichten, die nicht gemeldete Aufnahme einer Beschäftigung durch Bezieher von Sozialleistungen und die Ausübung eines Gewerbes ohne Gewerbeanmeldung.

An der Befragung haben sich 853 Unternehmen beteiligt. Da die Befragung repräsentativ ist, können die Ergebnisse bundesweit hochgerechnet werden. Demnach betrug der geschätzte Umsatzverlust der von der Studie erfassten Branchen 244 Milliarden Euro im Jahr 2018. Nicht enthalten ist zum Beispiel die Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbranche und das Gaststättengewerbe.

Internationaler Vergleich

Unter der Annahme, dass diese Branchen mindestens in ähnlicher Weise von Schwarzarbeit betroffen sind, errechneten die Studienautoren den Wert von 323 Milliarden Euro. Das entspricht nur noch knapp 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von circa 3,3 Billionen Euro. Nur noch, weil Deutschland im Langzeitdurchschnitt der Jahre 2003 bis 2018 bei der Schwarzarbeit auf einen BIP-Anteil von rund 14 Prozent kommt. Damit schneidet die Bundesrepublik im Vergleich mit den 35 anderen OECD-Staaten allerdings noch relativ gut ab. Nur in 11 Nationen läuft es demnach besser, beispielsweise in den USA oder der Schweiz. Besonders stark von Schwarzarbeit betroffen sind zum Beispiel Bulgarien und Rumänien.

Generell sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stärker von den Auswirkungen der Schwarzarbeit betroffen als große Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeiten. Bei den KMU beklagt mehr als jeder vierte Befragte Umsatzeinbußen zwischen 5 und 30 Prozent. Bei den Großunternehmen geht es nur jedem sechsten Umfrageteilnehmer so.

Baubranche am stärksten betroffen

In Deutschland am schwersten betroffen ist die Baubranche. Während insgesamt die Hälfte aller befragten Unternehmen angab, keine Einbußen durch Schwarzarbeit zu erleiden, waren es bei den Bau- und Handwerksunternehmen nur knapp 19 Prozent. Rund ein Viertel schätzt die Einbußen auf 1 bis 5 Prozent, ein Fünftel auf 6 bis 10 Prozent und ein weiteres Viertel auf 11 bis 20 Prozent. Jedes zehnte Unternehmen geht sogar von Umsatzverlusten unter anderem durch die Umgehung von Meldepflichten oder durch Sozialversicherungsabgabenhinterziehung von bis zu 30 Prozent aus.

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