Rekordhoch bei Erwerbsnebenkosten

Sachwerte Top News von Steffen Wicker

Nicht nur Immobilienpreise, sondern auch die daran gekoppelten Erwerbsnebenkosten schnellen in die Höhe. Letzteres wird für viele Käufer zum finanziellen Kraftakt, da die Kosten über das vorhandene Eigenkapital finanziert werden. Einschneidende Änderungen könnten sich aus Erweiterung des Bestellerpinzips ergeben.

Steffen Wicker, Gründer und Geschäftsführer von Homeday_Foto: homeday

Preistreiber bei den Erwerbsnebenkosten sind aber nicht nur die gestiegenen Immobilienpreise. Zahlreiche Bundesländer haben über eine Erhöhung der Grunderwerbssteuer den derzeitigen Anstieg zusätzlich befeuert. Allein in den letzten fünf Jahren haben neun Landesregierungen teilweise mehrfach an der Preisschraube gedreht. Mit einem jährlichen Aufkommen von mehr als 13 Milliarden Euro gehört die Grunderwerbssteuer zu den wichtigsten Finanzierungsquellen der Länder.

Wie haben sich die Erwerbsnebenkosten konkret entwickelt? Ein Blick in die 20 größten deutschen Städte zeigt, dass Immobilienkäufer heute rund 60 % mehr einplanen müssen als noch vor fünf Jahren. In der Spitze fallen die Abgaben und Gebühren in Berlin fast doppelt so hoch aus wie 2013. Für eine 75-Quadratmeter-Wohnung in der Bundeshauptstadt liegen die Nebenkosten heute bei rund 44.000 Euro – ein Anstieg von knapp 22.000 Euro. 

Ähnlich groß fällt die Differenz auch in Frankfurt am Main (20.500 €) und München (17.300 €) aus.

Viel Geld, dass für die eigentliche Finanzierung der Immobilie fehlt. Für Käufer birgt die Kombination aus steigenden Immobilienpreisen und Erwerbsnebenkosten somit einen doppelten Nachteil. Einerseits benötigen sie bei höheren Kaufpreisen mehr Eigenkapital, um bei Banken möglichst attraktive Konditionen zu erhalten.

Auf der anderen Seite muss aber ein größerer Teil der eigenen Mittel für die fälligen Nebenkosten zurückgehalten werden und fließt nicht in die Kreditberechnung ein. Die Folge: steigende Kreditsummen und schlechtere Zinsen. Im schlimmsten Fall bleibt der Traum von den eigenen vier Wänden angesichts der strengeren Richtlinien zur Kreditvergabe unerfüllt.

Mit einer möglichen Ausweitung des Bestellerprinzips auf Immobilienverkäufe ändern sich die Rahmenbedingungen für Käufer allerdings erheblich. Zahlt der Verkäufer als Auftraggeber die Maklergebühren, so steht dem Käufer wieder mehr Eigenkapital für die Finanzierung zur Verfügung.

Für eine nachhaltige Senkung der Erwerbsnebenkosten ist aber vor allem auch eine spürbare Reduzierung der Grunderwerbssteuer dringend geboten.

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