pro/contra: Versicherungen spionieren Kunden aus

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„Wie bitte? Versicherer spionieren ihren Kunden nach? Kann das sein?“, heißt es in der Anmoderation zur ZDF Frontal 21-Sendung. Es ist nicht das erste Mal, dass die Politmagazine der öffentlich-rechtlichen Sender gegen Versicherer Stimmung machen. Das Rezept dafür ist einfach: Die Geschichte von Betroffenen wird aus nächster Nähe nacherzählt. Der Zuschauer darf gern ergriffen `mitleiden` und seine eigenen Ohnmachtserfahrungen gespiegelt sehen. Der Versicherer übernimmt hingegen die Rolle des übermächtigen anonymen Konzerns, der nur über Anwälte kommuniziert, trickst und sich vor Zahlungen drückt. Jedes Mittel ist „den Versicherungen“ dafür recht. So einfach ist die Welt. Und mit dieser Art Geschichten lässt sich leicht Applaus erheischen. Mit rauem Gegenwind aus der Zuschauergemeinde ist nicht zu rechnen. Das mag den Redaktionen gefallen, doch wird der Wirklichkeit nicht gerecht.

Versicherungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt

Ja, Versicherer „spionieren“ ihren Kunden nach. Sie prüfen Ansprüche und wehren sich gegen unberechtigte Forderungen. Und sie haben guten Grund dazu. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt den Schaden durch Versicherungsbetrüger allein im Schaden- und Unfallbereich auf vier Milliarden Euro pro Jahr. Und immer wieder zeigen Verfahren – wie derzeit in Leipzig – mit welcher kriminellen Energie die Täter dabei vorgehen. Es muss den Unternehmen erlaubt sein, die Versichertengemeinschaft vor unberechtigten Ansprüchen zu schützen. Selbstverständlich muss dabei aber der gegebene Rechtsrahmen eingehalten werden. Allerdings täte es gut, wenn Frontal 21 und ähnliche Formate sich auch den Hintergründen solcher Geschichten annehmen würden. Also etwa auf die Betrugszahlen eingehen würden und klarmachen, wo die Grenzen der Fallprüfung verlaufen.

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