pro/contra: Versicherungen spionieren Kunden aus

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Dürfen Versicherer ihre Kunden ausspionieren? Das ZDF-Magazin Frontal 21 warf am Dienstag diese Frage auf. Die procontra-Redaktion ist durchaus geteilter Meinung: Schutz der Versichertengemeinschaft oder vermeidbarer Imageschaden für die Branche? Es kommentieren Florian Burghardt und Michael Fiedler.

Versicherungsbetrug Krankentagegeld Spionage Leistungsfall Regulierungsverhalten

Dürfen Versicherungen ihre Kunden überwachen, um zu prüfen, ob die Angaben stimmen? pro und contra. Shutterstock.com / Andrew Rybalko

Private Krankenversicherer überwachen ihre Kunden, um sie des Betrugs zu überführen. Das ZDF-Magazin Frontal 21 schilderte beispielhaft die Schicksale einiger Versicherter, die von angeheuerten Detektiven und mit Hilfe von Peilsendern ausspioniert wurden. In dem Bericht erklären der Rechtsanwalt eines betroffenen PKV-Kunden sowie zwei Detektive, dass dies nicht nur gängige Praxis sei, sondern auch immer weiter zunehme. Wie es heißt, würden die Ermittler dabei auch regelmäßig die rechtlichen Grenzen überschreiten.

Der Bericht nennt zahlreiche Fakten, die für das Stattfinden dieser Praxis sprechen. Konkret sollen dadurch privat Krankenvollversicherte der Ausübung ihrer selbstständigen Tätigkeit überführt werden, obwohl sie offiziell krankgeschrieben sind und Krankentagegeld beziehen. In der Folge erhalten sie die Kündigung ihrer Police und sollen die Leistungen zurückerstatten.

Muss das wirklich sein?!?

Die Versicherer konnten die Vorwürfe in ihren, von Frontal 21 genannten Stellungnahmen nicht entkräften. Gegen einen Anbieter soll es sogar bereits ein Gerichtsverfahren gegeben haben, in dem dieser die Ergebnisse seiner Kundenüberwachung offenlegen musste. Dem Bericht nach soll das Verhalten des Versicherers vom Gericht als unredlich und unlauter bezeichnet worden und die Kündigung unwirksam sein.

Aufgrund dieser Schilderungen muss die Frage erlaubt sein, ob eine solche Bespitzelung der Kunden denn wirklich sein muss? Selbst wenn alle angewandten Praktiken der Überwachung legal wären, würde dies immer noch ein schlechtes Licht auf die gesamte Branche werfen. Zumal wahrscheinlich nicht alle Überwachungen zum „Erfolg“ führen. So lässt sich der anhaltende Vollversicherten-Schwund sicher nicht aufhalten oder das Vorurteil ablegen, dass Versicherer im Schadenfall nicht leisten wollen. Ja, es gibt Betrüger unter den Versicherten. Aber wenn der Preis für die Überführung einzelner einen großen Imageschaden für die gesamte Branche darstellt, dann ist er zu hoch. Es ist gut, dass Frontal 21 über diese Praxis berichtet, um ein Ausufern der teils auch illegalen Überwachung zu vermeiden.

Seite 1: Vermeidbarer Imageschaden für die Branche
Seite 2: Berechtigter Schutz der Versichertengemeinschaft

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