Pflegevorsorge: „Der Eigenanteil wird weiter steigen“

Berater Versicherungen von Martin Thaler

Gerhard Schuhmacher ist Versicherungsberater. Im Interview erklärt er, ab wann Makler das Thema Pflege beim Kunden platzieren sollten und wie die Pflegeversicherung zu einem echten Teilkaskoschutz werden kann.

Versicherungsberater Gerhard Schuhmacher

procontra: In der Pflegeversicherung ist der Eigenanteil der Versicherten zuletzt stark gestiegen. Wo liegen die Gründe hierfür?

Gerhard Schuhmacher: Der Gesetzgeber hat festgesetzt, dass in der Pflege seit 2017 Tariflöhne zu zahlen sind. Dadurch kam es auf der einen Seite natürlich zu einer Stärkung der Pflegeversorgung. Auf der anderen Seite kam es aber vor allem im Bereich der stationären Versorgung zu gravierenden Preissteigerungen. Teilweise hat sich der Eigenanteil für manche Pflegebedürftigen nahezu verdoppelt. Auch in Zukunft wird es zu weiteren Kostensteigerungen kommen, je nachdem, wie hoch die jeweiligen Tarifabschlüsse ausfallen – ausgehen kann man hier von durchschnittlich 5 Prozent im Jahr. Der Eigenanteil wird also auch in Zukunft weiter ansteigen.

procontra: Trotzdem hat nur ein kleiner Anteil der Deutschen sich entsprechend abgesichert. Beim Pflege-Bahr ist der Absatz im vergangenen Jahr spürbar zurückgegangen. Ist er für die Kunden nicht mehr attraktiv?

Schuhmacher: Der Pflege-Bahr war zwar gut ausgedacht, jedoch hätten die Versicherungsleistungen in der Höhe angepasst werden müssen. Aus heutiger Sicht wäre eine Verdoppelung angebracht.

„Teilweise hat sich der Eigenanteil für manche Pflegebedürftigen nahezu verdoppelt.“

procontra: Wie kann der Makler beziehungsweise Berater seinen Kunden dennoch nahelegen, das sensible Thema Pflege anzugehen?

Schuhmacher: Der Versicherungsmakler muss neben der Absicherung der Arbeitskraft auch die Pflegebedürftigkeit ansprechen. Dabei empfiehlt es sich, dass bei der Beratung der Partner oder die Partnerin und eventuell sogar die Kinder dabei sind. Vor allem die sich verändernden Familienstrukturen sollten hier vom Makler thematisiert werden: Es gibt immer mehr Single-Haushalte, die Kinder wohnen nicht mehr im selben Ort – das sind neue Herausforderungen für die Familien. Das Thema sollte vom Makler auch rechtzeitig angesprochen werden, also wenn der Kunde zwischen 40 und 45 Jahren alt ist.

procontra: Auch die Politik scheint das Thema angesichts der steigenden Kosten für die Pflegebedürftigen zu entdecken. Könnte es hier in der nahen Zukunft zu einer größeren Reform kommen?

Schuhmacher: Die derzeitige Bundesregierung wird am System in dieser Legislaturperiode keine wesentlichen Änderungen mehr vornehmen. Angesichts der Beitragsgarantie bis 2022 kann man allerdings davon ausgehen, dass bei einer steigenden Zahl von Pflegebedürftigen ein Steuerzuschuss nötig sein wird.

procontra: Und längerfristig?

Schuhmacher: Längerfristig plädiere ich für ein System, das aus der jetzigen Teilleistungsversicherung eine echte Teilkaskoversicherung machen würde. Das hieße: Die Unterscheidung in ambulante, teilstationäre und stationäre Pflege wird aufgehoben, stattdessen gibt es nur die Bereiche „Wohnen“ und „Pflege“. Während Wohn- und Verpflegungskosten von den Pflegebedürftigen selbst gezahlt werden, müssen sie bei den Pflegekosten lediglich einen vorher festgelegten Sockelbeitrag bezahlen. Alle darüber hinausgehenden Kosten würden vom Versichertenkollektiv aufgefangen.

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