Neuer Impuls für Pflegevorsorge?!

Top News Versicherungen von Martin Thaler

Die Nachfrage nach privaten Pflegezusatzversicherungen ging zuletzt zurück – dabei war das Thema noch nie so drängend wie heute. Ein neuer Impuls kommt aus der Wirtschaft. Auch Makler könnten profitieren.

Eine Vollkaskoversicherung in der Pflegevorsorge wäre nicht im Sinne der Generationengerechtigkeit, meint Stefan M. Knoll, Vorsitzender der Deutschen Familienversicherung_Foto: DFV AG

Auf den ersten Blick liest sich die Geschichte der privaten Pflegezusatzversicherungen wie eine schillernde Erfolgsstory: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der abgeschlossenen Pflegetagegeldversicherungen & Co. mehr als verdoppelt. Über 2,74 Millionen Verträge existierten Mitte 2018, hinzu kommen noch einmal knapp 850.000 staatlich geförderte Pflegezusatzpolicen, der sogenannte „Pflege-Bahr“.

Auf den zweiten Blick wirken diese Zahlen allerdings nicht mehr so überwältigend. Denn noch nicht einmal 5 Prozent der erwachsenen Deutschen haben ihre Pflegebedürftigkeit abgesichert. Dabei wäre dies dringend geboten. 440.000 Menschen in Deutschland und damit jeder sechste Pflegebedürftige war Ende 2017 auf Hilfe vom Sozialamt angewiesen, da die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sowie Rente und andere Einkommen nicht dazu reichten, die Pflegekosten zu bezahlen. Im Jahr 2006 hatte diese Zahl noch bei 360.000 gelegen.

Dies hängt auch mit dem wachsenden Eigenanteil zusammen, den Menschen für einen Pflegeheimplatz aufbringen müssen. Im Juni 2018 lag er laut Angaben der privaten Krankenversicherer durchschnittlich bei 1.831 Euro im Monat, in manchen Bundesländern noch einmal deutlich darüber. Das waren 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Verantwortlich hierfür seien vor allem die gestiegenen Personalkosten, die, wie der Versicherungsberater und Pflege-Experte Gerhard Schuhmacher erklärt, „vor allem im Bereich der stationären Pflege zu gravierenden Preissteigerungen“ geführt hätten (siehe Interview).

Zurückhaltung beim Kunden

Auf die Abschlusszahlen von Pflegezusatzversicherungen scheint sich diese Entwicklung allerdings nicht auszuwirken. Stattdessen erlahmte die Nachfrage 2018. Bis Mitte des Jahres kamen nach Angaben des PKV-Verbands gerade einmal 8.025 neue Verträge hinzu, beim „Pflege-Bahr“ waren es rund 15.000. Für die Zurückhaltung der Kunden sieht Maximilian Waizmann mehrere Gründe. „Zum einen ist es vielen Menschen sicherlich unangenehm, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen“, glaubt der Makler aus Olching (Bayern). Oftmals geschehe dies erst, wenn man im eigenen Umfeld mit einem Pflegefall konfrontiert werde. „Zum anderen ist Pflege ein Risiko, das eher alte Menschen betrifft – viele jüngere Menschen denken daher, dass es für sie noch zu früh ist, dieses Thema abzusichern.“

Hinzu kommt eine gewisse Sorglosigkeit: Laut einer Continentale-Studie zum Absicherungsverhalten der Deutschen erklärten 85 Prozent der Befragten, dass eine Pflegezusatzversicherung für sie nicht wichtig sei. Gründe hierfür waren unter anderem das Vertrauen in die eigene Familie beziehungsweise in die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Pflegeversicherung. Eine gefährliche Wette. Denn zum einen haben sich die Familienstrukturen in den vergangenen Jahrzehnten merklich verändert; oftmals haben die Kinder den Heimatort für Jobs im Rest der Republik oder im Ausland verlassen. Auch Ehen halten nicht zwingend bis zum Lebensende. So stieg die Zahl der Single-Haushalte in den vergangenen Jahren auf über 16 Millionen.

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