Kommt so das Vertrauen zurück?

Berater von Detlef Pohl

Die Finanzbranche hat in den letzten Jahren das Vertrauen von Anlegern und Versicherten stark strapaziert. Hinzu kommt die anhaltende Manipulation der Zinsmärkte durch die EZB. Die Folgen scheinen niemanden zu kümmern. Ein Kommentar von Detlef Pohl.

Die Nachrichten der vergangenen Woche deuten nicht darauf hin, dass der Bürger Vertrauen in die Finanzbranche wiedergewinnt. Er muss sich auf sich selbst besinnen und im Zweifel auch ohne Zinsen vorsorgen, so das Fazit von procontra-Autor Detlef Pohl.

Die Nachrichten der vergangenen Woche deuten nicht darauf hin, dass der Bürger Vertrauen in die Finanzbranche wiedergewinnt. Er muss sich auf sich selbst besinnen und im Zweifel auch ohne Zinsen vorsorgen, so das Fazit von procontra-Autor Detlef Pohl. Bild: Detlef Pohl

Seit der Finanzkrise hat die Branche mit zahllosen Ereignissen mit dem Vertrauen der Kunden und Berater gespielt. Die Folge war auch eine vorher ungekannte Regulierung, um den Verbraucherschutz zu erhöhen. Getroffen wurden dadurch vorwiegend die Vermittler. Die politisch Verantwortlichen und die Anbieter setzen nach wie vor leichtfertig ihren Ruf aufs Spiel. Das zeigen drei Schlagzeilen der letzten Woche.

Bock zum Gärtner?

1. Steuersünder Georg Fahrenschon geht in die Steuerberatung. Der frühere Bayerische Finanzminister und spätere Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes (DSGV) setzt seine Karriere auf skurrile Art fort. Er war zunächst wegen verspätet abgegebener Steuererklärungen und Steuerhinterziehung, die ihn 140 Tagessätze kostete, vom DSGV-Posten zurückgetreten.

Nun geht Fahrenschon ausgerechnet in die Steuerberatung - zur Steuerberatungsgesellschaft WTS. Er soll dort strategische internationale Allianzen mit anderen Beratungsgesellschaften, Private-Equity- oder Venture-Capital-Gesellschaften aufbauen. Man kann annehmen, dass es dabei auch um Steuergestaltung gehen wird. Damit hat die Branche mehr als einmal Vertrauen aufs Spiel gesetzt (Stichwort: Panama Papers).

Staat contra Bürger

2. Der deutsche Staat hat seit 2008 fast 370 Milliarden Euro durch die Niedrigzinsen gespart, ermittelte die Bundesbank. Die Summe ergibt sich, wenn man die aktuellen Zinsniveaus mit dem höheren Zinsniveau von 2007 vergleicht. Verlierer sind die Kapitalanleger und Versicherungssparer. Nach Berechnung der DZ Bank haben die privaten Haushalte seit 2010 insgesamt 533 Milliarden Euro Einbußen im Vergleich zum „Normalzinsniveau“ erlitten. Zieht man die Zinsersparnisse durch günstigere Kredite von 238 Milliarden Euro ab, bleiben Netto-Zinseinbußen von knapp 300 Milliarden Euro für die Bürger. Inzwischen merken auch Kleinsparer, dass sie zur Rettung Südeuropas persönlich haftbar gemacht werden. Das Misstrauen gegenüber dem Staat dokumentiert sich derweil auch an den Wahlurnen. Bislang ohne Änderung der politischen Linie.

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