Indexpolicen: Warum mehr Transparenz nötig ist

Versicherungen Top News von Detlef Pohl

In der Niedrigzinsphase haben die Lebensversicherer neue Produkte mit weniger Garantien entwickelt. Ob Indexpolicen trotz großer Schwankungen mehr einbringen als Klassik-Policen, zeigt eine neue Analyse. Es gibt aber auch rechtliche Probleme bei der Transparenz.

Der historische Verlauf maßgeblicher Indexrenditen bis 2018 auf Basis des EURO STOXX 50 und des Cap-Verfahrens zeigt, dass Jahre großer Überschüsse mit Nullrunden abwechseln.

Der historische Verlauf maßgeblicher Indexrenditen bis 2018 auf Basis des EURO STOXX 50 und des Cap-Verfahrens zeigt, dass Jahre großer Überschüsse mit Nullrunden abwechseln. Bild: IVFP

Die anhaltend niedrigen Zinsen haben dramatische Folgen auch für die Kunden der Lebensversicherer, die zum Teil deswegen auch auf ihre Berater nicht gut zu sprechen sind. Private Haushalte haben seit 2010 knapp 300 Milliarden Euro gegenüber dem früheren „Normalzinsniveau“ eingebüßt (procontra berichtete).

Ein Großteil davon sind Versicherungssparer, die statt 7 Prozent laufende Gesamtverzinsung wie noch im Jahr 2000 heute im Schnitt nur noch auf 2,5 Prozent hoffen können (procontra berichtete). Die Lebensversicherer haben in der Niedrigzinsphase zwei Dinge probiert: Es wurden neue Anlageformen als Alternative zu Anleihen ins Portefeuille genommen und zugleich neue Rentenversicherungen entwickelt, die weniger Garantien beinhalten („neue Klassik“), moderne Wertsicherungsmechanismen in Fondspolicen bieten oder dem Kunden eine Indexpartizipation am Aktienmarkt ermöglichen.

So funktionieren Indexpolicen

Letzteres funktioniert so: Analog zu einer klassischen Rentenversicherung findet die Kapitalanlage ausschließlich im Sicherungsvermögen (Deckungsstock) des Versicherers statt. Der Kunde kann jedes Jahr wählen, ob er mit seinem angesammelten Guthaben an einem Index (etwa EURO STOXX 50 oder DAX) partizipieren will (Indexbeteiligung) oder lieber Überschüsse des Versicherers direkt gutgeschrieben bekommen möchte (sichere Verzinsung).

Entwickelt sich der Index schlecht, übernimmt ein Bankpartner das Risiko über den Optionspreis. Der ist meist höher als der Überschuss, so die IVFP-Analyse. Daher begrenzen die Versicherer in guten Jahren die Beteiligung der Kunden – entweder in absoluter Höhe durch einen Cap (Renditeobergrenze) oder in relativer Höhe (Partizipationsquote).

Indexpolicen weisen in den letzten beiden Jahren eine interessante Entwicklung auf. 2017 gab es laut Assekurata eine durchschnittliche laufende Verzinsung für die Indexbeteiligung von 2,79 Prozent, während neue klassische Rentenversicherungen nur 2,39 Prozent einbrachten (procontra berichtete). 2018 verlor der DAX dann über 16 Prozent. Dadurch wären die meisten Kunden mit ihrer Indexpartizipation leer ausgegangen. Allerdings sind Wertverluste bei den meisten Indexpolicen durch die Absicherung gegen Verluste (Option) ausgeschlossen.

Rendite untersucht und Produkt bewertet

Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) hat nun die Renditen von Indexpolicen von 18 Anbietern untersucht. Ergebnis: Durchschnittlich jedes zweite Jahr gibt es keine Renditegutschrift aus der Indexpartizipation, in den anderen beiden Jahren gebe es überdurchschnittliche Wertentwicklungen – siehe Grafik. Entscheidend für den Erfolg sei die stetige Beteiligung am Index (procontra berichtete).

Das IFVP hat berechnet, dass sich eine stetige Beteiligung am Index gegenüber der „sicheren Verzinsung“ klassischer Policen meist lohnt. „Eine regelmäßige Indexpartizipation hat sich in fast allen Fällen als vorteilhaft erwiesen“, sagt IVFP-Geschäftsführer Michael Hauer. Der Mehrertrag einer Indexpartizipation gegenüber der sicheren Verzinsung lag durchschnittlich bei etwa einem Prozentpunkt pro Jahr.

Was die Kurzanalyse des IVFP nicht zeigt: Die Ausgestaltungen dieser Verträge sind nicht immer transparent und landen teilweise sogar vor Gericht. Mehr dazu auf Seite 2 dieses Artikels.

Seite 1: Indexpolicen bringen bessere Verzinsung
Seite 2: Nur intransparent oder auch illegal?

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