„In den Emerging Markets ist das länderspezifische Risiko am größten“

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Annika Janßen

Viele Schwellenländer wurden im vergangenen Jahr ordentlich durchgeschüttelt. Langfristig dürften Emerging-Markets-Aktien Titel aus Industriestaaten trotzdem hinter sich lassen, sagt Wilma de Groot, Fondsmanagerin bei Robeco.

Wilma de Groot, Fondsmanagerin bei Robeco_Foto: Robeco

procontra: Frau de Groot, viele Emerging-Markets-Fonds hatten im Jahr 2018 mit Abflüssen zu kämpfen. Wie war die Lage bei Ihnen?

Wilma de Groot: Wir haben im vergangenen Jahr kein Misstrauen von Investoren erfahren. Vielmehr konnten wir Zuwächse in unseren Schwellenländer-Fonds verzeichnen. Dabei haben wir beobachtet, dass Investoren anstelle rein passiver Strategien verstärkt unsere Enhanced-Indexing-Strategien als Alternative wählen. Diese bieten alle Vorteile traditioneller passiver Anlagen, streben aber höhere Renditen nach Kosten an und integrieren Nachhaltigkeitskriterien.

procontra: Nichtsdestotrotz hatten die Aktienmärkte in vielen Schwellenländern im vergangenen Jahr mit heftigen Korrekturen zu kämpfen. Entsprechend negativ war die Rendite. Wie sind Sie damit umgegangen?

De Groot: 2018 haben verschiedene Marktthemen die Performance in den Emerging Markets getrieben. Das Resultat war eine große Streuung bezogen auf die Wertentwicklung der einzelnen Länder. In einem solchen Szenario ist es von Vorteil, sich auf die Auswahl von Einzeltiteln zu fokussieren und Länderrisiken zu reduzieren, also keine Länderselektion zu betreiben. So haben wir es gemacht.

procontra: Wird 2019 ein besseres Jahr für Schwellenländer-Investoren?

De Groot: Wie sagt man so schön? Die Nacht ist immer am dunkelsten vor der Dämmerung. Langfristig werden Emerging-Markets-Aktien Investoren wahrscheinlich höhere Renditen bescheren als Aktien aus entwickelten Märkten. Ob sich das schon im laufenden Jahr abzeichnen wird, bleibt abzuwarten.

„Die relative Rendite wird von der richtigen Titelauswahl beeinflusst und nicht von den Entscheidungen der US-Notenbank.“

procontra: Welchen Einfluss hat die Zinspolitik der US-Notenbank Fed auf die Schwellenländer?

De Groot: Letztlich wird die relative Rendite von Schwellenländeraktien von der richtigen Titelauswahl beeinflusst und nicht von den Entscheidungen der US-Notenbank.

procontra: Wo lohnt es sich für Investoren, nach Einzeltiteln Ausschau zu halten?

De Groot: Politische Risiken und ihr Einfluss auf Aktienrenditen werden auch in Zukunft schwer vorherzusagen sein. Wenn wir jedoch auf die Titelselektion basierend auf den Werttreibern Qualität, Bewertung, Trend und Analysteneinschätzungen schauen, finden wir interessante Aktien aktuell vor allem bei zyklischen Konsumtiteln sowie im Energiesektor.

procontra: Wie stehen die Chancen, dass die Sorgenkinder von 2018 sich in den kommenden Monaten wieder erholen?

De Groot: Probleme können schneller verschwinden als gedacht. Entsprechend können die jeweiligen Länder und Regionen sich schnell erholen. Diese Erholungen zu verpassen, kann die Rendite eines aktiven Investors in den Emerging Markets maßgeblich beeinflussen. Wenn Bewertung, Qualität und Momentum-Eigenschaften von „Sorgenkinder“-Aktien sich verbessern, werden diese Titel zu „Vorzeigekinder“-Aktien beziehungsweise zu Kaufkandidaten.

procontra: Einige Beobachter erwarten einen Crash, weil mehrere Emerging Markets ein schwaches Wachstum zeigen. Wie schätzen Sie die Situation ein?

De Groot: Risiken wird es immer geben. Die Frage ist, wie man damit umgeht. In den Emerging Markets ist das länderspezifische Risiko am größten – dieses Risiko entsteht manchmal aufgrund eines plötzlichen Wachstumsschocks. Solche Überraschungen haben natürlich dann einen starken Einfluss auf die Performance, wenn man eine entsprechend große Länderallokation eingegangen ist. Die Lösung ist eindeutig. Fokus auf Einzeltitel, nicht auf Länder.

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