Todesangst: Schmerzensgeld für Malediven-Urlaub

Berater Recht & Haftung von Mailin Bartknecht

Ein Ehepaar geriet auf der Rückreise von den Malediven in Seenot und erlitt Todesängste. Es verklagte den Reiseveranstalter auf Schmerzensgeld und Reisepreisminderung. Über ihre Ansprüche hatte das Kölner Landgericht zu entscheiden.

Finanzielle Entschädigung bei mangelhafter Reise?

Finanzielle Entschädigung bei mangelhafter Reise? Bild: Romolo Tavani

Rund 4.500 kostete ein Ehepaar eine 12-tägige Pauschalreise auf die Malediven. Ihre Rückreise von der Ferieninsel zum Flughafen erfolgte mit einem Fährboot. Trotz Sturmwarnung und dem Umstand, dass der Rückflug aufgrund einer Verspätung des Bootes ohnehin nicht mehr erreicht werden konnte, legte das Boot ab. Es geriet in Seenot. Das Ehepaar stand auf der Überfahrt Todesängste aus. Die Ehefrau befindet sich seitdem in stationärer und ambulanter psychischer Behandlung. Die Reisenden verlangten neben dem Reisepreis ein Schmerzensgeld in Höhe von 2.000 bzw. 2.500 Euro vom Veranstalter.

Reiseveranstalter weist Anschuldigungen ab

Der Beklagte wollte sich keiner Schuld bekennen. Es handele sich um höhere Gewalt. Zudem habe zum Zeitpunkt des Ablegens nur eine Wetterwarnung auf niedrigster Stufe vorgelegen. Bei dem eingesetzten Fährboot handelte es sich um ein hochmodernes Schiff mit einer erfahrenen Crew. Todesgefahr habe zu keinem Zeitpunkt bestanden.

10.000 Euro Entschädigung für Reisende

Das Landgericht Köln sah das anders. Es beurteilte die Reise als mangelhaft und sprach dem Ehepaar Schmerzensgeld und Reisepreisminderung zu. Die Reisenden seien auf der Rückreise in eine nicht beherrschbare Gefahrensituation gebracht worden. Der beklage Reiseveranstalter habe das auch zu vertreten. Zudem erschloss sich dem Gericht nicht, warum die Rückreise nicht verschoben oder zumindest eine qualifizierte Wettervorhersage eingeholt wurde, bevor über den Transport des Bootes entschieden wurde. Durch die mangelbehaftete Rückreise sei der gesamte Erholungswert des Urlaubs entfallen, deshalb sei der gesamte Reisepreis zu erstatten. Zusätzlich wurde dem Ehemann ein Schmerzensgeld von 500 Euro zugesprochen. Seiner Ehefrau wurde aufgrund des traumatischen Erlebnisses und der folgenden psychischen Schäden ein Schmerzensgeld in Höhe von 5.500 Euro zugebilligt. 

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig (LG Köln, AZ: 3 O 305/17). 

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