„Es wird kaum ruhiger an den Kapitalmärkten“

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Matthias Hundt

Hans-Jörg Naumer ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors. Gegenüber procontra nennt er die drei „Gs“ der Kapitalanlage, warum uns diese auch 2019 begleiten werden und wie Privatanleger aus der Nummer rauskommen.

Hans-Jörg Naumer, Global Head of Capital Markets & Thematic Research bei AGI_Foto: Allianz Global Investors

procontra: 2018 wurden viele Anleger enttäuscht. Was waren die Hauptgründe dafür, dass fast alle Märkte negativ performten?

Hans-Jörg Naumer: 2018 war geprägt von den „3 Gs“ der Kapitalanlage: der Geo-Politik, der Geldpolitik und der globalen Konjunktur. Der Handelskonflikt USA vs. China und den Rest der Welt, der Haushaltsstreit der italienischen Regierung mit Brüssel, der konkreter werdende BREXIT mit allen seinen Unabwägbarkeiten und am Ende noch die Proteste in Frankreich, die Sorgen um den fiskalischen Kurs der Grande Nation aufkommen ließen, lieferten die Stichworte dazu.

Die Geldpolitik der US-Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank entwickelten sich in Richtung einer knapper und teurer werdenden Zentralbankliquidität fort. Gleichzeitig schwächten sich die Konjunkturindikatoren ab.

procontra: Wird sich dieser Trend fortsetzen und der „Bär“ die Börsen auch in diesem Jahr dominieren?

Naumer: 2019 werden uns diese drei Bekannten leider immer wieder begegnen. Der Brexit wird konkret, Italiens Haushalt bereitet Sorgen, Präsident Trump twittert, … Kursschwankungen an den Aktienmärkten sollten nicht ausbleiben. Es wird also kaum ruhiger an den Kapitalmärkten. Gut nur, dass die lange Phase der Sorglosigkeit einem neuen Realismus gewichen ist, der latent schon wieder zu stark zum Pessimismus neigt.

Gleichzeitig haben sich die Bewertungen an den Aktienmärkten verbessert. Der Start ins neue Jahr sollte also mit Vorsicht erfolgen. Es gibt Raum für positive Überraschungen. Übrigens: Dass sich das Zittern an den Börsen nicht lohnt, ist eher die Ausnahme als die Regel. Beispiel DAX. In der historischen Rückrechnung bis zum Jahr 1955 gab es in 44 von 64 Jahren eine positive Rendite. Allein über die letzten 30 Jahre erzielte er einen Ertrag von über 8% pro Jahr – allerdings eben nicht in jedem Jahr.

„2019 wird ein Jahr sein, in dem es um aktives Management geht, gerade bei der taktischen Allokation.“

procontra: Es ging sowohl für Aktien- als auch für Bondsmärkte 2018 bergab. Warum korrelierten diese beiden Märkte?

Naumer: Na, das kommt auf die Sichtweise an. Insgesamt lag die Korrelation zwischen dem MSCI Welt und den US-Staatsanleihen bei -0,13. Im Jahresrückblick muss das aber noch weiter aufgefächert werden: Die Aktienmärkte verloren rund um den Globus, an den europäischen Märkten für Staatsanleihen konnten sogar leichte Zugewinne erzielt werden.

Zu den bereits genannten Sorgen, welche überwiegend die Aktienseite betrafen, gesellte sich die Angst vor einem Anziehen der Inflationsraten. Gleichzeitig mussten sich die Märkte auf einen Kurswechsel bei der Europäischen Zentralbank und weitere Zinsschritte der Fed einstellen. Das machte es im Jahresverlauf auch für Anleihen schwierig. Bei den Unternehmensanleihen wurden sogar Verluste in Folge der gestiegenen Unsicherheiten eingefahren.

procontra: Wie kann der Privatanleger jetzt noch diversifizieren?

Naumer: Diversifikation dürfte auch weiter Trumpf bleiben. Aktien- wie Anleihenmärkte haben zum Teil mit gegenläufigen Unsicherheiten zu kämpfen. Entwickelt sich die Geo-Politik positiv für die Aktien, schadet das den Anleihen als sicherer Hafen. Legen die Konjunkturdaten zu bzw. schwächen sich weniger als erwartet ab, ist das gut für Aktien, weniger für Anleihen. Und umgekehrt.

Die Entwicklung zwischen Aktien und Anleihen war auch im abgelaufenen Jahr nicht geradlinig. Auch zwischen den regionalen Aktienmärkten zeigen sich Divergenzen. Beispiel: In den USA ist die Konjunktur noch viel dynamischer, in Europa sind die Bewertungen besser. 2019 wird also ein Jahr sein, in dem es um aktives Management geht gerade bei der taktischen Allokation. Das Gute ist: Das lässt sich ja delegieren.

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