bAV: Probleme mit neuem Arbeitgeber-Zuschuss

Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt von Detlef Pohl

Die bAV-Kunden der Makler sind primär die Arbeitgeber. Die müssen ab sofort einen Zuschuss zahlen, wenn es zu neuen Entgeltumwandlungsvereinbarungen kommt. Die Hintergründe und Probleme nennt ein langjähriger bAV-Verantwortlicher.

Es kann zu Fehlzuschüssen kommen, da die Arbeitgeber nach den aktuellen Vorgaben unter Umständen Zuschüsse zahlen müssen, auch wenn sie keine SV-Beiträge gespart haben, sagt Andre Cera. Bild: Dietmar Gust / Euroforum

56 Prozent der Arbeitnehmer leisten Eigenbeiträge für ihre Betriebsrente, ergab kürzlich eine Umfrage des Risikoberaters Aon unter 1.000 Arbeitnehmern aus Unternehmen mit über 10.000 Beschäftigten (procontra berichtete). Der Gesetzgeber bietet seit 2018 eine höhere steuerliche Förderung von Eigenbeiträgen von bis zu 8,0 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (procontra berichtete). 84 Prozent der Arbeitnehmer sind bereit, zugunsten einer Altersversorgung auf Konsum zu verzichten.

Hauptmotiv für die Entgeltumwandlung ist, dass der Arbeitgeber etwas dazugibt, sagten 24 Prozent der Befragten. Der neue verpflichtende Arbeitgeberzuschuss für neue Entgeltumwandlungs-Vereinbarungen seit 1. Januar könnte diese Motivation deutlich nach oben treiben (procontra berichtete).

Konkret: Der Chef ist verpflichtet, bei einer 2019 neu eingerichteten Entgeltumwandlung mindestens 15 Prozent des Umwandlungsbetrages als Zuschuss an die Versorgungseinrichtung (Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds) weiterzuleiten, soweit er selbst durch die Entgeltumwandlung SV-Beiträge spart. Für Entgeltumwandlungen im Bestand gilt diese Regelung erst ab 2022.

Abrechnung viel komplizierter als gewollt

Allerdings ist der Zuschuss im Detail alles andere als einfach. „Der Arbeitgeberzuschuss ist nicht Bestandteil der Entgeltumwandlung, sondern eine Arbeitgeberleistung, für die – wie für die Entgeltumwandlung auch – die sofortige gesetzliche Unverfallbarkeit gilt“, sagte Andre Cera, Aktuar und Bereichsleiter Altersversorgung, Vergütung & Controlling der Otto-Group Holding, dem Onlineportal LEITERbAV.de schon im November.

Und es wird noch komplizierter: „Die sofortige Unverfallbarkeit gilt nur für den Teil des Zuschusses, der aufgrund der Ersparnis von SV-Beiträgen gezahlt wird“, so Cera weiter. Der Arbeitgeber müsse den Zuschuss also in zwei Bestandteile aufteilen. Ein anderes Problem: Es kann jetzt zu Fehlzuschüssen kommen, da die tatsächliche Ersparnis aus den SV-Beiträgen erst immer zum Jahresende (oder unter Einhaltung der „Märzklausel“ Ende März) feststeht, der Zuschuss aber monatlich überwiesen wird. Die Softwarehäuser hätten dazu noch keine Lösungen parat.

„Statt der angestrebten einfachen Lösung drohen hohe Komplexität und Verunsicherung“, bekräftigte Cera jetzt gegenüber procontra. Das gelte allein für die Arbeitgeber, die neben dem Zuschuss auch die Organisation allein stemmen und bezahlen müssen. Bei der Umsetzung sei die Otto-Group schon deshalb methodisch schon weiter als andere Unternehmen, weil man bereits seit 2002 aufgrund einer tariflichen Regelung ein ähnliches Modell fährt – mit 10 Prozent Zuschuss, soweit der Arbeitgeber SV-Abgaben spart.

Seite 1: Abrechnung viel komplizierter als gewollt
Seite 2: Nur einmalige Zahlung möglich, aber monatlicher Zuschuss

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare