BaFin will Amazon, Google & Co. ins Visier nehmen

Versicherungen von Florian Burghardt

Aus Sicht der BaFin deutet sich der Einstieg großer Tech-Konzerne wie Amazon und Google auf den hiesigen Finanzmärkten an – und zwar im nicht erlaubnispflichtigen Bereich. Doch es gibt schon Ideen, wie es mit der Beaufsichtigung trotzdem klappen könnte.

BaFin-Präsident Felix Hufeld sieht bereits Möglichkeiten zur Beobachtung der Finanzmarkt-Aktivitäten von Amazon und Google.

BaFin-Präsident Felix Hufeld sieht bereits Möglichkeiten zur Beobachtung der Finanzmarkt-Aktivitäten von Amazon und Google. Bild: BaFin

Bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) würde man gerne schneller und genauer wissen, was die neuen Akteure im Finanzgeschäft vorhaben. Konkret geht es dabei um Unternehmen, „keine klassischen Banken und Versicherer sind, die aber zunehmend ins Finanzgeschäft vordringen und dabei teilweise Tätigkeiten ausüben, die derzeit für sich betrachtet nicht erlaubnispflichtig sind“, erklärte BaFin-Präsident Felix Hufeld bei seinem gestrigen Neujahrsempfang in Frankfurt am Main.

Diese spezialisierten Technologieunternehmen würden Wertschöpfungsketten, die traditionell unter einem Dach stattfinden und dort rechtlich verantwortet werden, zunehmend aufspalten, so Hufeld. Er geht davon aus, dass sich dieser Trend noch beschleunigen wird und auch sogenannte Bigtechs wie Google, Amazon und Co. auf den Plan rufen wird, die ebenfalls nicht der unmittelbaren Aufsicht seiner Behörde unterliegen. Dass diese US-amerikanischen Großkonzerne mit ihrer Finanzkraft und ihrem Know-how, aber auch mit einigen fragwürdigen Geschäftspraktiken großen Einfluss auf die Finanzmärkte ausüben könnten, hatte in der Vergangenheit auch mehrfach Allianz-Chef Oliver Bäte betont.

Ad-hoc-Pflicht für Bigtechs?

Die BaFin schließt allerdings aus, Großkonzerne wie Google und Amazon als Ganzes zu beaufsichtigen. Dazu Hufeld: „Naheliegender ist für mich, spezifische Verhaltensweisen solcher Unternehmen und deren Auswirkungen auf das Marktgeschehen in den Blick zu nehmen.“

Wie das aussehen könnte, beschrieb der BaFin-Chef mit einem Beispiel aus der Wertpapieraufsicht. So seien zwar die Aktien großer Industrieunternehmen, die ebenfalls nicht der Aufsicht unterliegen, am geregelten Markt zum Handel zugelassen. Allerdings würden für die Unternehmen in ihrer Eigenschaft als Emittenten der Wertpapiere Ad-hoc- und andere Publikationspflichten gelten. „Vergleichbare Verhaltensvorgaben könnten probate Instrumente sein, um – im Zusammenspiel mit Wettbewerbshütern und Datenschützern – in der neuen, digitalen Welt die Integrität der Finanzmärkte auch mit Blick auf die Bigtechs zu sichern“, erklärte Hufeld.

Die Versicherungs-Ambitionen der großen Technologiekonzerne lassen die Branche hierzulande immer wieder aufhorchen. In der jüngeren Vergangenheit war vor allem der Online-Versandriese Amazon umtriebig. Nach der Beteiligung an einem indischen Online-Versicherer Anfang 2018 folgten Ende des Jahres Meldungen über die Einführung eines Versicherungsvergleichsportals in Großbritannien. Auch im Bereich der Krankenversicherung ist Amazon bereits tätig.

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