Riester-Rente: Stärkung durch Reform?

Berater Print Vorschau Top News Meistgeklickt von Jan Wagner

Die Riester-Rente schwächelt, teils wegen der Marktsättigung und teils wegen der Kritik. Nun schlägt die Fondsindustrie eine radikale Reform von Riester vor. Wie reagiert die Politik?

Riester Reform Altersvorsorge Rente

Kein Leichtgewicht: Das Reformbemühen bei Riester-Vorsorge. Shutterstock.com / sportpoint

Manche Politiker und Verbraucherschützer mögen es gerne anders sehen, aber von einem „Scheitern“ der Riester-Rente kann keine Rede sein. Seit Einführung der staatlich geförderten Altersvorsorge 2001 haben 16,5 Millionen Deutsche einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Die Zahl entspricht auch etwa der Hälfte aller Arbeitnehmer, die von der Riester-Rente profitieren könnten.

Andererseits muss man feststellen, dass die Riester-Rente schwächelt. Seit 2012, als die Zahl der abgeschlossenen Riester-Versicherungen noch elf Millionen betrug, ist die Nachfrage nach diesem am meisten genutzten Produkt rückläufig. Mehrere Versicherer haben daher ihr Riester-Neugeschäft eingestellt, was die Nachfrage weiterhin nach unten drückt. Obwohl die Nachfrage nach Fondssparplänen und Wohn-Riester gestiegen ist, wird dies aus heutiger Sicht nicht reichen, um eine Komplettversorgung zu erreichen. „Dass das Neugeschäft nicht mehr so stark ansteigt ist bei dieser Marktsättigung kein Wunder“, sagt Joachim Haid, Mitgründer der Initiative „Pro Riester.“ Er fügt hinzu: „Wenn manche Verbraucherschützer und Medienvertreter jahrelang sagen, die Riester-Rente sei gescheitert, soll sich keiner wundern, wenn immer mehr Verbraucher verunsichert werden und keine neuen Verträge abschließen.“

Eine radikale Reform

Gleichwohl gibt es eine gute Nachricht für Riester, und die kommt von einer Fondsgesellschaft, die mit ihrem Riester-Fondssparplan Marktführer ist. In einem Positionspapier hat die Union Investment für eine radikale Reform von Riester plädiert, um die Rente wieder attraktiv zu machen. Konkret will die Union, dass der Staat die komplizierte Förderung aus Zulagen und Steuervorteil bei Riester durch eine einfache, aber üppige Zulagenförderung von 40 Cent für jeden gesparten Euro ersetzt. Auch soll jeder Steuerpflichtige – egal ob angestellt, freiberuflich oder kurzweilig arbeitslos – mit Riester sparen können. Ferner soll der Prozess zur Gewährung der Zulage vereinfacht werden. Hier sollte sich die Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) mit dem Finanzamt austauschen, damit die Zulage geprüft und abschließend ausgezahlt werden kann. Die bisherige Handhabung war ziemlich bürokratisch für den Sparer. „Wir wollen die Riester-Rente vereinfachen und wirkungsvoller machen“, sagt Björn Deyer, Leiter Altersvorsorge bei der Union Investment. „Es ist zum Beispiel unsinnig, dass die steuerliche Förderung unter Riester nicht für die Altersvorsorge, sondern oftmals für den Konsum genutzt wird. Wir wollen, dass die gesamte Förderung dem Altersvorsorgevertrag direkt zufließt.“

Die weitgehenden Union-Vorschläge hat sich der Fondsverband BVI zu Eigen gemacht, um für eine Verbesserung von Riester in Berlin zu werben. Der BVI plädiert noch für eine flexiblere Handhabung bei der Beitragsgarantie für Riester. Der Kunde soll teilweise darauf verzichten können, damit mehr vom Ersparten in den Aktienmarkt investiert werden kann. Die Vorschläge der Fondsindustrie für Riester sind übrigens fast deckungsgleich mit denen von Haids Pro Riester Initiative.

Seite 1: Eine radikale Reform
Seite 2: Politik reagiert Verhalten

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare