PKV: Gesundheitsdienstleister statt Kostenerstatter

Versicherungen von Carla Fritz

Die private Krankenversicherung (PKV) definiert ihre Rolle neu. Welche Rolle E-Health dabei spielt, was die Privatkundschaft erwarten und wo der Vermittler zusätzlich anknüpfen kann.

Gesundheit Health Krankenversicherung PKV

Kostenerstattung allein reicht nicht. Die PKV sieht sich auf dem Weg zum Gesundheitsmanager. pixabay / hamiltonpaviana

„Stellen Sie sich vor: Ihr Kind hat plötzlich Bauchweh, aber spätabends ist der Kinderarzt natürlich nicht mehr da. Dann kann man anrufen. Eine Empfangsdame fragt ab, was passiert ist, und stellt Sie ins digitale Sprechzimmer zu einem Facharzt durch. Er kann dann sagen: Oh ja, die Flecken sehen tatsächlich aus wie Masern, Röteln, Scharlach oder nach einer Allergie. – Und je nachdem sofort die Fahrt ins Krankenhaus empfehlen oder den Arztbesuch am anderen Tag, um alles genau abzuklären“, schildert Martina Faßbender von der Gothaer die Möglichkeiten der gerade gestarteten Kooperation mit der TeleClinic. Privat Krankenversicherte der Gesellschaft können dabei ärztlichen Rat per App mit Videotelefonie, Chat oder Telefon einholen.

Neue Ansätze und Anforderungen

Nicht das erste und einzige Angebot dieser Art am PKV-Markt in jüngster Zeit neben vielen weiteren, die einen Wandel der Branche signalisieren – vom Kostenerstatter zum Gesundheitsdienstleister, als Ansprechpartner in allen Fragen rund um die Gesundheit. Gleichbedeutend auch mit weiteren Einstiegsmöglichkeiten in die Beratung: gesünder essen, besser schlafen, optimal sitzen, richtig atmen – gar nicht erst krank oder schnell wieder gesundwerden. Übers persönliche Befinden kommt man bekanntlich schnell ins Gespräch. Naheliegend insofern der Hinweis auf die verschiedenen Vorsorge- und Versorgungsprogramme, die die Gesellschaften in jüngster Zeit aufgelegt haben.

Für Vermittler ergeben sich daraus „weitere Verkaufsargumente, die sie aktiv in ihre Beratungsgespräche einbringen können“, zeigt sich Klaus Dombke, Leiter strategisches Leistungs- und Gesundheitsmanagement bei Axa, in Bezug auf die hauseigenen Angebote überzeugt. Dazu gehören unter anderem Unterstützungsprogramme etwa für Rheuma-, Rücken- und Schlaganfallpatienten, die telemedizinische Begleitung von Diabetikern, Herz- und Bluthochdruckpatienten und das online-basierte therapeutische Programm MindDoc bei Depressionen, Burn-out und Angststörungen, was von den „Kunden sehr positiv angenommen“ werde.

Mehrwerte in Form von Gesundheitsprogrammen, teils mit telefonischem Feedback, teils online-gestützt. Vergleichbare Angebote macht auch die Hallesche. Dazu kommen verschiedene Apps – etwa die Tinnitracks-App im Rahmen einer Tinnitusbehandlung oder, in Form einer Rückenschule, die Kaia-App. Makler sollten im Bilde sein. „Die Inhalte des Beratungsgesprächs dürften sich verändern, da immer mehr Kunden nach verbesserten und umfangreicheren Serviceangeboten fragen werden“, sagt Wiltrud Pekarek, Vorstandsmitglied der Halleschen. Denkbar scheint in Zukunft noch vieles. Die R+V beispielsweise sammelt derzeit im Smart-Home-Pilotfeld Elderly Care weitere Praxiserfahrungen, wie zu erfahren war.

Getrieben wird die Entwicklung auch hier einmal mehr durch die Digitalisierung und neue Kooperationen auch über Branchengrenzen hinaus. Axa etwa bietet ihre Online-Video-Sprechstunde mit dem Hausarzt in Zusammenarbeit dem Anbieter Patientus an, die Hallesche ihren Videochat mit Fachärzten in Kooperation mit dem Assistance-Unternehmen MD Medicus. Und die Barmenia kooperiert in der Telemedizin ebenfalls mit der TeleClinic.

Branchenführer Debeka hat zusammen mit der Süddeutschen und dem Gesundheitsconsulting-Unternehmen ViaMed gleich einen eigenen Gesundheitsdienstleister – CareLutions – gegründet, der „besondere Versorgungsprogramme auch im Zusammenhang mit E-Health entwirft“. Damit habe man ein klares Zeichen gesetzt, so Annabritta Biederbick, die den Bereich KV Leistung leitet, gegenüber procontra.

Seite 1: Neue Ansätze und Anforderungen
Seite 2: Spielerisch, aber keine Spielerei

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare