LV-Deklaration: Klarheit bei Zinsangaben

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Zum Jahresende geben die Lebensversicherer ihren Kunden die laufende Gesamtverzinsung für das nächste Jahr bekannt. Was diese Summe aus Garantiezins und Überschussbeteiligung aussagt und was eben nicht

Die Überschussdeklaration der Lebensversicherer zum Jahresende vermengt regelmäßig garantierte und nicht garantierte Werte. Allianz-Chef Markus Faulhaber verspricht stabil hohe Verzinsung. Bild: Allianz

Die Ergebnisse der Lebensversicherer, insbesondere von klassischen Policen mit Garantie, stehen zum Jahresende stets besonders im Blickpunkt. Ab November deklarieren die Anbieter die Höhe der Überschüsse für das kommende Jahr. Genannt wird häufig die laufende Gesamtverzinsung aus Garantiezins (jedes Jahr garantiert) und Überschuss (immer nur für ein Jahr im Voraus garantiert).

Da die Garantiezinsen bei Neuabschlüssen sowie die Überschüsse bei allen Bestandspolicen seit der Finanzkrise und den damit verbundenen politisch motivierten Niedrigzinsen auf Talfahrt gegangen sind, versuchen immer mehr Anbieter, den optisch höheren Gesamtzins herauszustellen, der auch eine Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven und den Schlussüberschuss enthält.

Allianz bleibt bei 2,8 Prozent laufender Gesamtverzinsung

Am 3. Dezember hat Marktführer Allianz seine Daten auf den Tisch gelegt. Wie im Vorjahr werden für Klassikpolicen eine laufende Gesamtverzinsung von 2,8 Prozent des Deckungskapitals angegeben. Hinzu kommen weitere 0,6 Prozent für die nicht garantierten Elemente Schlussüberschuss und Sockelbetrag für die Beteiligung an den Bewertungsreserven – also bis zu 3,4 Prozent Gesamtzins. Markus Faulhaber, Vorstandsvorsitzender von Allianz Leben, sprach von „stabil hoher Verzinsung“.

Axa und deren Zweigniederlassung DBV Deutsche Beamtenversicherung hatten schon Mitte November die laufende Verzinsung für 2019 gemeldet: 2,9 Prozent des Deckungskapitals und damit auf dem Niveau von 2017 und 2018. Zuzüglich Sockelbetrag und Schlussüberschuss, beides nicht garantiert, käme der Kunde auf 3,4 Gesamtverzinsung. Also sogar noch einen Tick mehr Garantie als die Allianz.

Mehrere Teile des Gesamtzinses sind nicht garantiert

Gerade in Zeiten niedriger Zinsen an den Kapitalmärkten wird die Höhe der laufenden Gesamtverzinsung jedoch gern verklausuliert und damit für Laien wenig transparent gehalten. Viele denken dann womöglich: 3,4 Prozent in diesen Zeiten sind doch nicht schlecht. Das stimmt auch. Aber in dieser Betrachtung gehen garantierte und nicht garantierte Werte durcheinander. Transparenter wäre es, die Garantien deutlicher zu machen und die nicht garantierten Werte ebenfalls.

Beispiel: Nürnberger Lebensversicherung. Die Franken belassen die laufende Verzinsung in der konventionellen Lebensversicherung für 2019 bei 2,5 Prozent des Deckungskapitals. Hinzu komme noch ein Schlussüberschussanteil von etwa 0,28 Prozent, so dass die gesamte Verzinsung bei 2,78 Prozent liegt. „Dieser Wert versteht sich zuzüglich einer Beteiligung an den Bewertungsreserven“, hieß es. Transparent ist das nicht gerade, denn viele Anbieter geben die Gesamtverzinsung auch inkl. der Beteiligung an den Bewertungsreserven an. hier wird der Vergleich erschwert und ist eigentlich nur auf Basis der laufenden Verzinsung möglich.

Klar ist: Für 2018 war die laufende Gesamtverzinsung klassischer deutscher privater Rentenversicherungen laut Assekurata Assekuranz Rating-Agentur um 0,14 Basispunkte auf den historischen Tiefstand von 2,47 Prozent zurückgegangen. Zum Vergleich: In den Jahren 2000 und 2001 waren es im Schnitt noch je über sieben Prozent. 2012 wurde die Vier-Prozent-Marke und 2016 dann die Drei-Prozent-Marke unterschritten. Abgesehen von 2007 und 2008 ging es bei der Kombination aus Garantiezins und Überschuss kontinuierlich bergab.

Erste Anbieter bleiben bei Vorjahreswerten

Den Abwärtstrend für 2019 gestoppt hat auch die Alte Leipziger (procontra berichtete). Sie hält die laufende Gesamtverzinsung ebenfalls wie 2018 bei 2,5 Prozent des Deckungskapitals. Hinzu kommt eine Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven in Höhe von 0,1 Prozent sowie eine Schlussüberschuss-Beteiligung in Höhe von 0,3 Prozent. Daraus ergibt sich eine gesamte Verzinsung von 2,9 Prozent.

Inzwischen hat auch Maklerversicherer die Bayerische die Werte für seine Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung genannt. Die laufende Gesamtverzinsung 2019 beträgt wie 2018 wieder 2,75 Prozent, zusammen mit dem Schlussgewinnanteil sowie der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven bietet die bis zu 3,41 Prozent nicht vollständig garantierte Gesamtverzinsung.

Angaben nicht als Beitragsrendite zu verstehen

Diese Werte sind nicht als Beitragsrenditen zu interpretieren. Sie werden stets auf den Beitragsanteil angerechnet, der in die Sparanlage geht. In der Überschussbeteiligung erfolgt nur eine Betrachtung der Zinsüberschüsse. Kosten- und Risikoüberschüsse bleiben dagegen außen vor. Gerade darin unterscheiden sich die Unternehmen jedoch sehr stark. Kunden müssen zu mindestens 90 Prozent an den Überschüssen aus den gesamten Kapitalerträgen, zu denen auch der Garantiezins zählt, beteiligt werden. Hinzu kommen mindestens 90 Prozent der Risikoüberschüsse und 50 Prozent der sonstigen Überschüsse, insbesondere Kostenüberschüsse.

Entspannung könnte es für 2019 bei den Garantien durch veränderte Regeln zur Bildung der Zinsszusatzreserve geben (procontra berichtete). Mit diesem Topf soll sichergestellt werden, dass auch höherverzinsliche Policen früherer Jahre jederzeit bedient werden können. Die Zinszusatzreserve füllt den eigentlichen Garantietopf auf. Damit fehlt das Geld für die Überschussbeteiligung.

LV-Check hilft Maklern

Beim Überblick über die wichtigsten Kennziffern der Lebensversicherer, die in den Geschäftsberichten verstreut sind, hilft der „LV-Check 2018“ von der procontra-Redaktion. Er enthält von 68 Lebensversicherern (über 95 Prozent Marktabdeckung) jeweils über 50 Bilanzkennzahlen des Geschäftsjahres 2017. Er kann hier für 48,50 Euro bestellt werden.

 

Die Überschussbeteiligungen der Lebensversicherer 2019

Lebensversicherer20192018201720162015
Allianz Klassik2,8%2,8%2,8%3,1%3,4%
Allianz Perspektive2,9%2,9%2,9%3,2%3,5%
Ergo direkt2,5%2,75%2,75%3,2%3,2%
Ergo Leben2,05%2,05%2,25%2,7%2,7%
Alte Leipziger (Klassik)2,5%2,5%2,65%3,05%3,05%
Alte Leipziger (Modern)2,6%2,6%k.A.k.A.k.A.
Nürnberger 2,5%2,5%2,75%3,0%3,5%
die Bayerische2,75%2,75%3,05%3,3%3,6%
AXA2,9%2,9%2,9%3,1%3,4%
Marktschnitt2,41%2,51%2,86%3,15%
Quelle: procontra LV-Check_Unternehmensangaben
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