Kfz: Wer trägt Werkstattrisiko bei Unfallreparaturen?

Berater Recht & Haftung von Mailin Bartknecht

Nach einem Verkehrsunfall in München erstattete die beklagte Versicherung nur einen Teil der anfallenden Instandsetzungskosten. Der Kläger beantragte die Erstattung aller ihm in Rechnung gestellten Werkstattkosten. Wer für das sogenannte Werkstattrisiko aufkommen muss, lesen Sie hier.

Wer trägt das Werkstattrisiko bei Unfällen?

Unfall-Reparaturkosten können hoch werden. Wer trägt das Werkstattrisiko? Bild: pathdoc

Am 7. Mai 2017 wurde ein sechs Jahre alter PKW Ford Mondeo in München bei einem Verkehrsunfall derart beschädigt, dass die vordere Stoßstange und der linke Kotflügel ersetzt werden mussten. Die beklagte Versicherung des alleinigen Verursachers erstattete jedoch nur 3.611,26 Euro anstelle der in Rechnung gestellten Kosten von 3.944,70 Euro. Grund dafür: Die Rechnung der vom Kläger beauftragten Werkstatt sei überhöht.

Überhöhte Instandsetzungskosten

So prangerte die beklagte Versicherung zusätzliche Kosten an, die nicht im Rahmen der Reparatur angefallen seien. Aufgrund seiner Schadenminderungspflicht hätte der Kläger diese Unrichtigkeiten auf der Rechnung erkennen und gegenüber seiner Werkstatt rügen müssen. Der Kläger hingegen war der Auffassung, er habe ein gesetzliches Wahlrecht auf Reparatur in Eigenregie oder eine durch den Schädiger vorzunehmende Reparatur. Hätte er sich für letzteres entschieden, wäre das Risiko einer überhöhten Rechnung ja auch vom Beklagten zu tragen gewesen. Von ihm könnte auch nicht verlangt werden, eventuelle Unrichtigkeiten in der Kostenstellung zu erkennen.

Werkstattrisiko liegt beim Beklagten

Für das Amtsgericht München war es nicht entscheidungserheblich, ob es sich um eine erforderliche Reparaturmaßnahme handelte. Das Urteil am 16.4.2018 fiel zugunsten des Klägers aus. So muss das sogenannte Werkstattrisiko „vielmehr in der Sphäre des Schädigers verbleiben, denn es besteht kein Sachgrund, dem Schädiger das Werkstattrisiko abzunehmen, das er auch zu tragen hätte, wenn der Geschädigte ihm die Beseitigung des Schadens (…) überlassen würde. (…)“

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