Kartellamt: Rechtsverstöße bei Check24 und Co.?

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Das Bundeskartellamt sieht seinen Verdacht auf verbraucherrechtliche Verstöße bei Versicherungsvergleichsportalen als erhärtet an. Das besagt ein Bericht der Behörde, der procontra vorliegt. Auch die „Position 0“ wurde beleuchtet.

Arbeiten Vergleichsportale wie Check24 transparent oder werden Nutzer in die Irre geführt? Das Bundeskartellamt will diese Frage im nächsten Frühjahr abschließend klären.

Arbeiten Vergleichsportale wie Check24 transparent oder werden Nutzer in die Irre geführt? Das Bundeskartellamt will diese Frage im nächsten Frühjahr abschließend klären. Bild: picture alliance / Jens Niering

Mangelnde Hinweise auf die im Vergleich nicht enthaltenen Marktteilnehmer und zu wenig Transparenz bei Tarifrechner-Kooperationen Das sind die wesentlichen Kritikpunkte, die das Bundeskartellamt den Anbietern von Vergleichsportalen für Versicherungsprodukte vorwirft. Sie entstammen der Sektorenuntersuchung zu Internetvergleichsportalen. Die Behörde hatte diese aufgrund des Verdachts auf Verbraucherrechtsverstöße bereits im Oktober 2017 eingeleitet.

Die 36 relevantesten Anbieter für die Bereiche Reisen, Energie, Versicherungen, Telekommunikation und Finanzen wurden genauer befragt, darunter 17 Portale für Versicherungsvergleiche. Davon wird Check24 im Bericht als das „mit Abstand größte“ bezeichnet. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, erklärte: „Internet-Vergleichsportale sind ein wichtiges Werkzeug, solange sie objektive und unverfälschte Ergebnisse liefern. Viele Vergleichsinformationen sind zutreffend und seriös. Aber unsere Untersuchung offenbart auch eine Anzahl von möglichen Rechtsverstößen. […] So werden bei Versicherungsvergleichen zum Teil wichtige Anbieter nicht einbezogen.“

Nur jeder zweite Tarif landet im Vergleich

Das Fehlen wichtiger Anbieter in den Vergleichslisten führt beispielsweise zu einer Gesamtmarktabdeckung von 55 Prozent in der Haftpflicht- und 56 Prozent in der Hausratversicherung. Diesen Werten liegen die Angaben von fünf Vergleichsportalen zu Grunde. Das Bundeskartellamt stellt es als Mangel heraus, wenn ein Portal weniger als 50 Prozent der insgesamt auf dem Markt befindlichen Tarife anbietet.

Auf die Frage, welche wichtigen Versicherer auf der eigenen Seite nicht dargestellt werden, wurden Allianz, HDI, R+V, Generali und die Huk-Coburg Gruppe mehrfach genannt. Letztere hatte sich im vergangenen Jahr eigentlich komplett von allen Vergleichsportalen abgewandt, darf von Check24 aber aufgrund eines kürzlichen Urteils weiterhin gelistet werden. Ein Weglassen dieser 5 Versicherer führt aber – gemessen an deren Bruttobeitragseinnahmen – zu Einbußen von rund 40 Prozent in den Sparten Kfz-, Haftpflicht- und Hausratversicherung.

Im Bericht des Bundeskartellamts heißt es:

Obwohl nach den Ermittlungen des Bundeskartellamts beim Vergleich von Versicherungen hinsichtlich der Marktabdeckung die größten Defizite bestehen, finden sich auf den Seiten der Vergleichsportale in der Regel keine Hinweise darauf, dass bzw. welche Versicherer oder Tarifgruppen im Vergleich nicht dargestellt werden. Verivox gibt seit Neuestem nicht nur an, welche Versicherer am Vergleich teilnehmen, sondern auch, welche nicht teilnehmen. […] Anders als beispielsweise im Strombereich ist es zumindest bei Hausrat- und Haftpflichtversicherungen auch eher nicht üblich, Tarife anzuzeigen, die das Portal selbst nicht vermitteln kann.

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