Honorarberatung bei Baufinanzierung – Lohnt sich das?

Baufinanzierung von Stefan Terliesner

Die Bundesbürger haben sich an „kostenlose“ Beratung gewöht. Aber im Markt ist eine zunehmende Aufgeschlossenheit zu beobachten. Notwendig ist eine Analyse sämtlicher Kosten im Einzelfall.

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Provisionen lenken das Interesse des Vermittlers mitunter in falsche Bahnen, befürchten Verbruacherschützer. Doch wie sieht die Alternative aus? pixabay / Alexas_Fotos

Die Beratung in finanziellen Angelegenheiten gegen Honorar ist auf dem Vormarsch. Für das Ausland gilt dieser Satz auf jeden Fall. In Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden ist sie die einzige Vergütungsform, nachdem die Vermittlung von Finanzprodukten gegen Provision des Anbieters verboten wurden. In Deutschland haben die Kunden grundsätzlich die Wahl zwischen Produkten mit einkalkulierten Provisionen oder Produkten ohne einkalkulierte Provisionen. Bei Nettoprodukten muss der Kunde dem Berater dann direkt ein Honorar bezahlen. Auf die Unterschiede innerhalb der Vergütungsart Honorar – z. B. zwischen Honorar-Anlageberater und Honorar-Finanzanlageberater - soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden.

Verbraucherschützer fordern Provisionsverbot

Nach Meinung von Verbraucherschützern lenken Provisionen das Interesse des Beraters weg vom Kunden hin zu den Produkten mit den höchsten Provisionen, was oft zu Falschberatung führe. Daher fordern sie seit Jahren ein Provisionsverbot. Dennoch führt die Honorarberatung in Deutschland ein Schattendasein. Ein Grund könnte sein, dass die Menschen sich daran gewöhnt haben, bei einem Vermittler kein Geld auf den Tisch legen zu. Die Beratung selbst ist sogar kostenlos, solange er kein Bruttoprodukt kauft. Wer dagegen zu einem Honorarberater geht, zahlt auf jeden Fall für die Beratung. Oft verlangt der Experte einen Stundensatz von 90 oder 120 Euro – je nach Thema.

Aus Sicht eines Vermittlers lohnt sich Honorarberatung vor allem in finanziellen Angelegenheiten, die kompliziert und daher beratungsintensiv sind. Durchaus üblich ist Honorarberatung daher zum Beispiel im Bereich der Gewerbe- und Industrieversicherungen, die meist mit einer aufwendigen Risikoanalyse verbunden ist. Aber wie ist das zum Beispiel in der privaten Baufinanzierung? Auch eine Beratung zu diesem Thema ist komplex und zeitintensiv – schließlich geht es für den Kunden bei der Suche nach der passenden Finanzierung um viel Geld. Lohnt sich hier die Honorarberatung?

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Beratung dauert mitunter drei Stunden

Diese Fragen kann nur nach Analyse sämtlicher Kosten beantwortet werden. Zunächst: Wer Wohnimmobilienkredite vermitteln möchte, benötigt seit März 2016 eine Erlaubnis gemäß § 34i Gewerbeordnung (GewO); für erfahrene „alte Hasen“ gibt es eine Ausnahmeregelung. Eine weitere Besonderheit: Eine eigene Erlaubnispflicht für den Honorar-Immobiliendarlehensberater ist im Gegensatz zum Honorar-Finanzanlageberater nach § 34h GewO nicht vorgesehen. Daher dürfte es mittlerweile einige Vermittler geben, die Baufinanzierungen gegen Honorar an die Frau oder den Mann bringen.

Die Dauer der Beratung und damit die Anzahl der zu bezahlenden Stunden hängt auch vom Wissensstand des Kunden ab. Ohne Vorwissen dürfte die Beratung schnell zwei bis drei Stunden dauern – also bis zu 360 Euro. Das lohnt sich für den Kunden, wenn er dank der Beratung einen entsprechend günstigeren Baukredit erhält. Geht der Kunde direkt zu einem der günstigsten Baufinanzierer, reduziert sich der potenzielle finanzielle Vorteil. Es kann dann auch der Fall eintreten, dass das Honorar höher ist als die einkalkulierten Provisionen. Dies wäre im Einzelfall zu prüfen.

In den Niederlanden weit verbreitet

Generell erwarten Baufinanzierungsanbieter wie zum Beispiel ING, „dass die Honorarberatung in naher Zukunft, neben der klassischen Beratung auf Provisionsbasis, auch in der Baufinanzierung an Bedeutung gewinnen wird“, sagt Thomas Hein, Leiter Partnervertrieb der ING in Deutschland. In anderen europäischen Ländern, beispielhaft nennt Hein die Niederlande, dem Heimatland von ING, ist die Honorarberatung in der Baufinanzierung dort weit verbreitet. In Deutschland dagegen werde sie noch wenig genutzt, was vor allem an der geringen Kundenakzeptanz liege. „Der Verbraucher ist es meist gewohnt für die Beratung zur Immobilienfinanzierung wenig oder gar nichts zu zahlen“, sagt Hein. Aber: Gewohnheiten könnten sich ändern, auch wenn es meistens sehr lange dauert. Unter Vermittler jedenfalls ist eine zunehmende Aufgeschlossenheit gegenüber der Honorarberatung zu beobachten. Letztlich entscheidet der Kunde: In Deutschland hat er die Wahl.

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