bAV: Macht das Beispiel Caritas Pensionskasse Schule?

Berater Recht & Haftung Top News von Detlef Pohl

Die Prophezeiungen der BaFin werden Realität. Einige Pensionskassen kämpfen mit Unterdeckung und dürfen vorerst kein Neugeschäft mehr machen. Wenn das Beispiel Caritas noch öfter auftritt, dürfte das Vertrauen in die bAV schwinden.

Will die beiden Schwester-Pensionskassen Kölner und Caritas in ruhiges Fahrwasser bringen und für das Neugeschäft wieder fit machen: Olaf Keese, der neue Vorstandschef beider Kassen. Bild: Hans Scherhaufer/EbAV-Consulting

Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen tun sich nicht nur Lebensversicherer schwer, ihre Leistungsversprechen nachhaltig zu erfüllen, sondern auch betriebliche Versorgungseinrichtungen. Jüngste Beispiele betrafen vergangene Woche die überbetriebliche Kölner Pensionskasse (2002 gegründet) und ihre Schwester, die Pensionskasse der Caritas (gegründet 1952).

Auch die Deutsche Steuerberater-Versicherung, Pensionskasse des steuerberatenden Berufs, kämpft aktuell mit Unterdeckungen der Solvabilitätsanforderung und muss wohl Leistungen kürzen oder Beiträge erhöhen. Laut einer Ad-hoc-Mitteilung vom 5. Dezember bestand Ende 2017 eine Unterdeckung von 17,77 Millionen Euro. Die Eigenmittel beliefen sich auf nur 55,3 Prozent der Solvabilitätskapital-Anforderung. Eine Unterdeckung liegt auch aktuell immer noch vor und droht damit auch zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2018.

Schieflagen vor allem bei kleineren Pensionskassen

Die Schieflagen kommen nicht überraschend, denn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte bereits im Mai dieses Jahres gewarnt, dass das Zinstief zunehmend die bAV bedrohe. Etwa ein Drittel der 136 deutschen Pensionskassen sei unter verschärfter Beobachtung. Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungsaufsicht, sagte damals: „Ohne zusätzliches Kapital von außen werden einige Pensionskassen nicht mehr ihre vollen Leistungen erbringen können“. Die Lage sei „noch ernster als vor zwei Jahren“ und werde sich bei anhaltend niedrigen Zinsen weiter verschärfen.

Neun Pensionskassen hatten laut Grund den jährlichen BaFin-Stresstest nicht in allen Szenarien bestanden. Bei den Kassen, die durchgefallen waren, handelt es sich nach BaFin-Angaben durchweg um kleinere Pensionskassen, die nicht zu den 30 größten Unternehmen der Branche gehören, geht aus einer Antwort der Bundesregierung vom März 2018 auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen hervor.

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