Silberstreif für Gold

Investmentfonds Investment-Talk von Annika Janßen

Allen Krisen zum Trotz entwickelt sich der Goldpreis seit Jahren nicht so gut, wie Anleger gehofft hatten. Marktbeobachter sehen jedoch Faktoren, die den Preis in den nächsten Monaten nach oben treiben könnten.

Sachwerte Edelmetall Brexit Gold Investment

Der Goldpreis erfüllt die Anleger-Hoffnungen nicht. Welche Faktoren den Preis treiben können. Shutterstock.com / Inozemtsev Konstantin

Italien in der Krise, Turbulenzen in der Türkei, Großbritannien im Brexit-Schlamassel, die USA im Clinch mit China, Industrie- und Schwellenländer tief im Schuldensumpf: In den zurückliegenden Monaten brannte es an allen Ecken und Enden. Beste Voraussetzungen für einen steigenden Goldpreis – eigentlich.

Die Realität sieht anders aus: Der Kurs des Edelmetalls entwickelt sich seit Jahren nicht so gut, wie man angesichts geopolitischer und sonstiger Risiken vermuten könnte. Auch 2018 bewegte er sich tendenziell seitwärts, mit kurzen Ausschlägen nach oben oder unten. Unter dem Strich steht auf Zwölf-Monats-Sicht ein Minus von fast sechs Prozent. „Anleger haben erkannt, dass Gold nicht als Allheilmittel für alle Krisen taugt”, sagt Dora Borbély, Rohstoffanalystin der Deka Bank. Dazu kommt, dass Anleger inzwischen wesentlich entspannter mit drohenden Krisen umgehen als in der Vergangenheit. Und: Gold wirft keine Zinsen ab. Das war in den vergangenen Jahren egal, schließlich waren die Zinsen ohnehin niedrig. Auskömmliche Renditen ließen sich nur mit riskanten Anlagen erzielen. Nun aber steigen die Zinsen allmählich, vor allem in den USA.

Das aktuelle Umfeld sei nicht günstig für Gold, erklärt Borbély. Zumal das Angebot die Nachfrage nach dem gelben Edelmetall seit mittlerweile sechs Quartalen in Folge übertrifft. Das zeigen Daten des World Gold Council (WGC), der globalen Lobbyorganisation der Goldbergbauindustrie. Die Deka-Analystin ist von der schwachen Entwicklung des Goldpreises in diesem Jahr denn auch nicht überrascht: „Ich rechne auch für 2019 nicht mit einem nennenswerten Plus.“

Rally-Faktoren

Nicht alle Experten sind so pessimistisch. Einige Faktoren könnten in den kommenden Monaten durchaus eine Gold-Rally in Gang setzen, sagt beispielsweise John LaForge, Anlagestratege beim US-Finanzdienstleister Wells Fargo. Er ist überzeugt: „Gold ist bereit für ein Comeback.“ Der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls dürfte bis Ende kommenden Jahres um etwa sieben Prozent auf 1300 US-Dollar steigen, erwartet LaForge. Nach dem Kurssturz bei Aktien im Oktober habe sich gezeigt, dass viele Anleger eben doch noch in Gold flüchten, wenn es an den Börsen ungemütlich wird. „Gold verliert seinen Glanz nicht”, ist sich der Stratege sicher.

Gegen Jahresende scheinen Anleger sich tatsächlich auf die Qualitäten des unverwüstlichen Metalls zu besinnen. Anders als beim Kursrutsch an den Aktienmärkten im Februar reagierte der Goldpreis im Oktober unmittelbar, als es an den Börsen abwärts ging. Der deutsche Leitindex Dax, der US-Index S&P 500 und das weltweite Aktienbarometer MSCI World büßten im Oktober allesamt um die sieben Prozent ein. Und der Goldpreis? Stieg im Laufe des Monats um immerhin drei Prozent auf 1221 US-Dollar je Feinunze und entfernte sich damit weiter von seinem Tiefstand von August. Damals hatten Anleger für 31,3 Gramm des Edelmetalls nur 1173 US-Dollar bezahlen müssen.

Von einem Hochschnellen des Kurses kann bei einem kurzfristigen Plus von drei Prozent noch keine Rede sein. Die Entwicklung im Oktober hat jedoch gezeigt, dass Gold seinen Status als sicherer Hafen nicht verloren hat. „Sollte es im Jahr 2019 zu weiteren starken Kurskorrekturen oder gar einem Crash am Aktienmarkt kommen, würde das den Goldpreis vermutlich beflügeln”, sagt Gabor Vogel, Rohstoffanalyst der DZ Bank. Von einem solchen Szenario geht er zwar nicht aus. „Dafür sind die Konjunkturdaten weltweit zu gut.” Aus seiner Sicht könnte aber ein anderer Faktor eine Gold-Rally in Gang setzen: „Wenn der US-Dollar schwächelt, ist das positiv für Gold.” Der Greenback hat ein starkes Jahr hinter sich und steht höher als die meisten anderen Leitwährungen. „Dieser Zustand lässt sich nicht unendlich fortschreiben”, sagt Vogel.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der neuen procontra. Darin wird auch auf den Einfluß der Handelskonflikte eingegangen.

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