„Riester-Erfolg hängt nicht alleine an der Politik“

Berater Top News von Jan Wagner

Riester-Vorsorge hat mit sinkenden Abschlusszahlen und medialem Gegenwind zu kämpfen. Wie das verbessert werden kann? Peter Weiß (CDU) nimmt im Interview mit procontra dazu Stellung.

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Sieht Riester-Rente auf einem guten Weg: Peter Weiß (CDU). Bild: Weiß

procontra: Herr Weiß, manche Politiker und Verbraucherschützer behaupten, die Riester-Rente sei trotz 16,5 Millionen Verträgen gescheitert. Ihre Meinung?

Peter Weiß: Die Riester-Rente hatte von Anfang an keinen leichten Stand. Es wurde aber viel getan, um die Rahmenbedingen zu verbessern. Zuletzt haben wir mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz die Zulage erhöht und die Krankenversicherungs- und Pflegebeiträge auf die Riester-Verträge in der Betriebsrente abgeschafft. Ich glaube schon, dass es dadurch neue Anreize gibt und ich bin der Meinung, dass 16,5 Millionen Verträge durchaus ein beachtlicher Erfolg ist. Da es sich um eine freiwillige Entscheidung handelt, ob man riestert oder nicht, halte ich es auch für vertretbar, einen Vertrag zeitweise ruhend zu stellen oder nicht voll optimiert zu besparen. Es kommt am Ende maßgeblich darauf an, ob die Leute Vertrauen in ein solches Produkt und in den Anbieter haben.

procontra: Die Fondsindustrie schlägt eine radikale Reform der Rente, um sie wieder zu attraktiv zu machen. Wie finden Sie die Vorschläge?

Weiß: Wir haben die Vorschläge von zahlreichen Experten und Verbänden auf dem Tisch liegen. „Einfach“ und „gerecht“ schließen sich oft gegenseitig aus. Manches was kompliziert erscheint, hat die Sache allerdings erst gerecht gemacht oder vollzieht die Systematik einer rentenersetzenden Vorsorge, wie etwa die einkommensabhängigen Sparbeiträge. Da wir das Förderverfahren an verschiedenen Stellen schon optimiert haben, müssen wir uns jetzt die Vorschläge genauer ansehen. Ich sehe einige gute Ansätze. Was die Abschaffung der Garantien anbelangt, wollen wir erstmals Erfahrungen im Sozialpartnermodell bei der Betriebsrente sammeln. Wir wissen, dass Garantien zu Lasten der Rendite gehen. Anfänglich war aber die Nominalwertgarantie ein Verkaufsschlager der Riester-Rente.

procontra: Falls die Vorschläge nicht umgesetzt werden, wie gedenkt die Politik der Riester-Rente einen neuen Schub zu geben?

Weiß: Die Gespräche laufen und am Ende werden wir mit dem Koalitionspartner entscheiden, was zu tun ist. Man muss aber klar sagen, der Erfolg der Riester-Rente hängt nicht alleine an der Politik. Es ist Sache der Anbieter, für attraktive, verlässliche Produkte zu sorgen. Die Menschen dürfen nicht das Gefühl haben, dass nur die Anbieter mit ihrer Altersvorsorge Gewinne machen. Viele Versicherer, aber auch manche Fondsgesellschaften und Banken, haben viel zu hohe Kosten von der privaten Rente abgezogen. Hier gibt es noch viel zu tun.

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