Lebensversicherung: Harter Brexit macht Verträge undurchführbar

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Folgen für Versicherungsverträge

Auch der renommierte Fachanwalt Stephan Michaelis von der Hamburger Kanzlei Michaelis setzt sich in einem aktuellen Beitrag auf seiner Webseite mit den möglichen Folgen eines harten Brexits auseinander. Scheidet Großbritannien am 29. März 2019 ohne Vertragswerk aus dem europäischen Binnenmarkt aus, können auch die Passporting-Rechte nicht mehr angewandt werden. Diese erlauben es Banken und anderen Finanzdienstleistern, die in einem Mitgliedsstaat der EU oder des EWR ansässig sind, mit nur minimalen zusätzlichen Genehmigungserfordernissen auch in anderen Ländern des europäischen Binnenmarktes tätig zu werden.
Britische Versicherer, die nicht über eine inländische Tochtergesellschaft operieren, würden ihre Zulassung in Deutschland verlieren. Umgekehrt wäre es ebenso. Und das ist kein kleiner Markt: Derzeit sind deutsche Versicherer mit einem Prämienvolumen von circa 1,5 Milliarden Euro auf dem britischen Markt involviert. Wesentlich schwieriger stellt sich allerdings in beide Richtungen der Umgang mit bestehenden Policen dar, schreibt Michaelis. Insbesondere im Bereich der Lebensversicherungen stehe die Durchführbarkeit der Verträge durch den mit dem Ende des Passportings einhergehenden Zulassungsverlust infrage.

Protektor für britische LV?

Damit gerade die langfristigen Verträge ohne Brüche weitergeführt werden können, fordern deutsche Versicherer, dass ein möglicher Brexit-Deal die Fortführung der Verträge nach bestehenden Regularien garantiert. Insbesondere der Zugang zu den jeweiligen Sicherungssystemen (wie etwa Protektor hierzulande) müsse dem Grunde nach ermöglicht werden.

Lebensversicherung: Undurchführbarkeit verhindern

Verlieren die britischen Lebensversicherer ihre deutsche Lizenz, können die Verträge undurchführbar werden. Einige Versicherer, etwa Admiral, RSA, AIG und Hiscox planen einen Transfer ihrer europäischen Policen auf Töchter, die innerhalb der EU operieren. Kommt es aber doch zu einer rechtskräftigen Übergangslösung, wäre der Transferaufwand überflüssig. Makler müssten das politische Geschehen beobachten, um sicherzustellen, dass die Verträge der eigenen Kunden keinem Risiko ausgesetzt sind, so Stephan Michaelis.

Eine abschließende Bewertung der Auswirkungen auf die deutsche Versicherungswirtschaft könne erst erfolgen, wenn klar sei, ob es tatsächlich einen harten Brexit geben wird. Bis dahin wird – so Michaelis – nur eins wachsen: Die Unsicherheit.

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